1. Akt
Premiere und erste Probe
Der Vorhang geht auf. Mit einem Schlag wird es hell. Die Bühne ist voller Schauspieler, wir sind plötzlich und unerwartet im letzten Akt der Premiere einer Amateurtheateraufführung von John Gays BETTLEROPER. Die Aufführung der P.A.O.T. (Pendons Amateur Operetten Truppe) zeichnet sich durch Begeisterung und Leidenschaft aus. Zwischen den Darstellern als Mittelpunkt auf einer erhöhten Plattform GUY JONES (Macheath). Er ist umgeben von seinen Weibern. Unter ihnen HANNAH LLEWELLYN (Polly Peachum), LINDA WASHBROOK (Lucy Lockit), REBECCA HUNTLEY-PIKE (Mrs. Vixen), FAY HUBBARD (Dolly Trull), BRIDGET BAINES (Jenny Diver), und andere. Mit dabei sind auch TED und ENID WASHBROOK (Mr. and Mrs. Peachum), IAN HUBBARD (Matt of the Mint), CRISPIN USHER (Filch), JARVIS HUNTLEY-PIKE (Lockit) und andere. Am Klavier sitzt MR. AMES (der Bettler).
GUY: ( singt als Macheath ) Komm mir vor wie ein Türk, den sein Harem umgibt: Er weiß selbst nicht genau, wen er eigentlich liebt. Für Blond, Braun und Schwarz glüht sein unsteter Sinn, und zu dieser, zu jener zieht's wechselnd ihn hin. Jede zeigt sich charmant, dass ihr Reiz ihn bestrickt - er, allen geneigt, nur die e i n e beglückt. Doch denkt meines Wahlspruchs und lasst eure Sorgen:
ALLE: Jede zeigt sich charmant, gilt's zu fesseln den Mann - der, möcht er auch mehr, lacht nur e i n e sich an. Doch denkt unsres Wahlspruchs und lasst eure Sorgen: Wer unglücklich heut, macht sein Glück vielleicht morgen!
( ( Der Tanz endet in einem triumphalen Tableau. Das Licht wird etwas dunkler. Die Schauspieler nehmen die Applausordnung ein. Man hört gedämpften Beifall. Sobald der Vorhang wieder aufgeht, wird das Licht heller und der Applaus lauter. Das Ensemble lächelt. Es folgen mehrere Verbeugungsvarianten, bis GUY als Macheath allein Beifall erhält. Galant präsentiert er seine Favoritinnen HANNAH (Polly) und LINDA (Lucy). Beide erhalten Blumen. Dann wendet sich MR. AMES am Klavier zu. Schließlich verbeugt sich alle gleichzeitig, da springt der Regisseur DAFYDD LLEWELLYN aus dem Zuschauerraum auf die Bühne. Er verbeugt sich bescheiden und hebt schließlich die Hände, um Ruhe zu erbitten. Der Applaus verebbt. ) )
DAFYDD: Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für diesen wundervollen, wundervollen Applaus. Eine Million Menschen gibt es, denen ich danken sollte. Eine Million Menschen gibt es, denen ich danken möchte, und eine Million Menschen gibt es, denen ich, wie ich fürchte, nicht danken kann, wenigstens nicht namentlich, sonst würden Sie nämlich noch morgen früh hier sitzen. ( Er lacht. Die Schauspieler lächeln erleichtert. ) Wenn ich darf, möchte ich mich auf folgendes beschränken: Danke wundervolles Ensemble. Danke wundervolle Mitarbeiter hinter der Bühne. Danke fabelhaftes Publikum. Aber mein allergrößtes Dankeschön gilt einer Person, ohne die diese ganze Aufführung nicht zustande gekommen wäre. Dieser Mann ist erst seit ein paar Wochen Mitglied der P A O T. Als die Not am größten war, zeigte der Mann, was an ihm dran ist. Was kann ich noch mehr sagen? ... Er war ... also, Ihr Beifall hat alles gesagt. Meine Damen und Herren, dankeschön unserem wirklich einmaligen Macheath ... Mister Guy Jones.
( ( DAFYDD dreht sich um und zeigt auf GUY, dem neuer Beifall gespendet wird. Der Vorhang fällt endgültig. Das Licht wird erneut dunkler, der Beifall verebbt. Die Schauspieler gehen plaudernd in die Garderoben. GUY steht plötzlich ganz allein da. Keiner hat ein Wort mit ihm gesprochen. Dann fängt er an, sein Kostüm auszuziehen. HANNAH, noch im Kostüm der Polly, kommt mit GUYs Privatgarderobe. ) )
HANNAH: ( sanft ) Gut gemacht.
GUY: Hmm?
HANNAH: Gut gemacht.
GUY: ( verdrossen ) Danke.
HANNAH: ( zeigt auf seine Kleider ) Hier sind deine. ( GUY rührt sich nicht. ) Ich lasse sie hier. ( Sie legt die Kleider sorgfältig auf einen Tisch und will abgehen. )
GUY: Danke.
HANNAH: ( dreht sich noch einmal um ) Ich ... ( überlegt es sich anders ) Gut. Ich muss ... Leb wohl.
GUY: Ja. Leb wohl.
( ( HANNAH ab. GUY zieht sich um, zieht seinen Regenmantel an. In der Tür dreht er sich noch einmal um und schaut auf die inzwischen dunkle Bühne. Entfernt spielt ein Klavier "NOW IS THE SEASON OF ALL JOYS". Es ist jetzt drei oder vier Monate früher, Februar und sehr kalt. GUY, der von der Straße hereingekommen ist, steht unentschlossen. BRIDGET, in Mantel, Hut und Stiefeln, tritt auf. Sie stellt einen kleinen Soufflier-Tisch lautstark auf die Bühne. ) )
BRIDGET: ( dreht sich schließlich zu ihm um ) Suchen Sie jemanden?
GUY: Jones.
BRIDGET: Mr. Jones?
GUY: Ja.
BRIDGET: Nein.
GUY: Nein?
BRIDGET: Nein. Kein Mister Jones hier.
GUY: Nein, nein. Sie sind hier bei PAOT (Pendons Amateur Operetten Truppe)
GUY: Ja, ja.
BRIDGET: Wir haben keinen Mister Jones.
GUY: Nein, das ist schon möglich.
BRIDGET: Ja?
GUY: Nein. Aber es hätte ja sein können, dass ... Nein. Ich bin Mr. Jones.
BRIDGET: Sie sind Mister Jones?
GUY: Ja. ( nach einer kleinen Pause ) Tut mir leid.
BRIDGET: Also gut. Soll'n wir noch mal von vorn anfangen?
GUY: Ja.
BRIDGET: Ich bin gerade reingekommen. Richtig?
GUY: Richtig.
BRIDGET: Okay. Also. Zu wem wollen Sie?
GUY: Mr. Lewellyn. Mister ... ( er zieht einen Umschlag aus seiner Tasche, liest ) Mister D. Pwyd ap Llewelyn.
BRIDGET: Erwartet er Sie?
GUY: Ja, ich glaub schon. Er hat gesagt, so ungefähr um diese Zeit.
BRIDGET: Also dann warten Sie hier. Mr. Jones, ja?
GUY: Ja.
( ( BRIDGET geht. GUY hopst ein bisschen herum. In einer Ecke entdeckt er ein Klavier. Aus einem Couvert fördert er ein Notenblatt zutage. Er versucht zu singen, aber seine Stimme lässt ihn im Stich. Er zerknüllt das Notenblatt und geht zur Tür. Bevor er die Bühne verlassen kann, hört man ein lautes Stimmengewirr, und DAFYDD betritt die Bühne. Er ist ein geschäftiger, etwas übergewichtiger, energischer Mann, Ende dreißig. ) )
DAFYDD: ( sieht GUY ) Mein lieber Freund, es tut mir so leid. Es tut mir schrecklich leid. Dabei hab ich gewusst, dass Sie kommen, ich hab's mir aufgeschrieben. Es ist mir entfallen. Wie geht es Ihnen? Dafydd ap Llewellyn. Gut, dass Sie vorbeikommen. Wir sind bei den ersten Proben. Gerade erst angefangen. Zehn Minuten Teepause!
GUY: Ah, ja.
DAFYDD: ( ruft ) Mr. Ames? Ich ruf grad mal Mr. Ames, er kann Sie begleiten. Sie haben doch was zum Singen mitgebracht, ja?
GUY: Ja. So was Ähnliches wie ...
DAFYDD: ( ruft ) Mr. Ames? Ansonsten haben wir hier haufenweise Liedchen und Noten rumliegen! Und natürlich haben wir Mr. Ames, er ist ein wandelndes Musiklexikon. Er spielt Ihnen praktisch jedes Musical, das Sie ihm nennen. Wählen Sie eine Tonart, wählen Sie eine Tonhöhe, wählen Sie ein Tempo, und ab geht's ... Wo zum Teufel ist er denn? Entschuldigen Sie mich. ( er geht zur Tür, ruft ) Mr. Ames? ... Ah, da sind Sie. Das ist Mr. Ames.
( ( MR. AMES kommt herein. Er ist ein kleiner, ungeheuer schüchterner Mann, dessen stilles, unauffälliges Wesen in krassem Gegensatz zu DAFYDDs steht. ) )
DAFYDD: Mr. Ames, das ist Mr. ... Gott, ich weiß nicht mal Ihren Namen ... Mr.?
GUY: Jones.
DAFYDD: Mr. Jones. Doch nicht etwa aus Wales?
GUY: Nein, nein. Leider nicht. Ich bin aus Leeds.
DAFYDD: ( zweifelnd ) Leeds?
GUY: Aber dort geboren.
DAFYDD: Nur in Leeds geboren. Gut. Das ist unser Mr. Ames. Mister Ames, Mr. Jones will uns was vorsingen. Er will uns einen Eindruck von seinem Stimmumfang geben. Weniger höflich ausgedrückt: Wir wollen sehen, ob er überhaupt 'nen sauberen Ton rausbringt. ( er lacht ) Was sind Sie? Sie sind Tenor?
GUY: Ich glaube, ich bin so eine Art heller Bariton. Glaube ich.
DAFYDD: Ah, ja? Heller Bariton, hm? Ja, von der Sorte lungern hier genug als Statisten rum, nicht wahr, Mr. Ames? Wir nennen sie unsere 'Brummbärenkompanie'.
GUY: ( lacht ) Ja, ja ...
DAFYDD: Also, dann los. Lassen Sie mal was hören. Haben Sie Noten dabei?
GUY: ( durchstöbert seine Taschen ) Nein, ich hab da ... ( Er findet sie nicht, kruschelt in seinen Taschen herum. ) Nur eine Sekunde ...
DAFYDD: Was aus der 'Lustigen Witwe'? Mögen Sie die?
GUY: ( dieser Vorschlag versetzt ihn nahezu in Panik ) Nein, nein, bitte ...
DAFYDD: West Side Story? Oklahoma? Der König und ich?
( ( MR. AMES spielt ein Stückchen aus dem letzteren. ) )
GUY: ( hat seine Noten endlich gefunden ) Nein. Hier haben wir's. Hab's gefunden. Hier. ( Er hält das zerknüllte Notenblatt hoch. )
DAFYDD: Das ist es?
GUY: Entschuldigung.
DAFYDD: Darum hätten Sie nicht so viel Aufhebens machen müssen, oder? Ist doch bloß ein Vorsingen. ( Er lacht wieder. DAFYDD nimmt GUY das Blatt weg und gibt es MR. AMES. ) Da haben wir's, Mr. Ames, 2. Akt Tannhäuser, was ich so sehe. ( er lacht ) Nein, Entschuldigung, Mr. Jones. Wir machen nur Spaß. Nehmen Sie uns nicht so ernst, Sie werden sich schon noch dran gewöhnen. ( energisch ) Gut. Was haben wir denn hier? ( er setzt seine Lesebrille auf )
DAFYDD: Hab ich's nicht gesagt?! Und Sie bleiben dabei, dass Sie nicht aus Wales stammen? Was steht hier, Mr. Ames? "ALL THROUGH THE NIGHT". "Ar hyd y nos". Die ganze lange Nacht. Ein walisisches Volkslied.
GUY: Ja. Zufall.
DAFYDD: ( gespielt seriös ) Na also, ich weiß nicht. Sollen wir einem Mann aus Leeds gestatten, so etwas zu singen, Mr. Ames? Meinetwegen. Weil Sie Jones heißen. Sondererlaubnis, hm?
GUY: ( versucht mit dem Scherz umzugehen ) Haben Sie diese eine Mal.
DAFYDD: Dieses eine Mal.
GUY: ... war das einzige Lied, das ich finden konnte ... auf unserem Klavierstuhl. Meine Mutter hat es immer gesungen. Vor vielen Jahren.
DAFYDD: Dann stammt also Ihre Mutter aus Wales?
GUY: Nein.
DAFYDD: Aber sie singt?
GUY: Nein, sie ist ...
DAFYDD: Bringen Sie sie mit. Bringen Sie sie das nächste Mal mit.
GUY: Nein, sie ist tot.
DAFYDD: ( betrübt ) Ah. Gut, zu spät. Traurig. Mr. Ames, glauben Sie, dass Sie das spielen können?
AMES: Ja, ja. ( Er spielt ein, zwei Akkorde. ENID WASHBROOK erscheint im Türrahmen, ihre Tochter LINDA verrenkt sich hinter ihr den Hals, um den Neuling zu sehen. )
ENID: Machen wir weiter, Dafydd?
DAFYDD: Sofort, Enid, sofort. Wir lassen euch durchrufen. Wir wollen uns nur diesen Herrn hier mal anhören.
ENID: Oh, natürlich, entschuldigt uns bitte, ja.
DAFYDD: Schon gut, wir lassen euch durchrufen.
ENID: ( zu GUY, während sie geht ) Toi, toi, toi.
GUY: Danke.
( ( ENID und LINDA gehen ab. ) )
DAFYDD: Und nun, Mr. Jones, die Eine-Million-Dollar-Frage: Singen Sie es auf Walisisch?
GUY: Leider nein.
DAFYDD: ( singt auf Walisisch ) Holl amrataur ser ddywedant, ar hyd y nos; Dymar fford i fro gogdniant, ar hyd y nos; Go-laua-rall y tywyll-wch, i ardangoz gwir Teulur nefoedd mewn Ta-wewewch, ar hyd y nos. ( DAFYDD hört auf zu singen, MR. AMES hört auf zu spielen, respektvolles Schweigen. ) Entschuldigung, Mr. Jones, tut mir leid, immer wenn ich dieses Lied höre ... Jetzt sind Sie dran ... ( Bewegt klopft er GUY auf die Schulter. MR. AMES spielt die Einleitung. DAFYDD setzt sich weit nach hinten in den Zuschauerraum. GUY verpasst beim ersten Mal den Einsatz, schafft es aber beim zweiten Mal. )
GUY: ( singt, nervös ) Der Mond hält seine Wacht am Himmel, die ganze lange Nacht ... Zur Ruh legt sich das Menschgewimmel, die ganze lange Nacht ... Ein Sehnen zieht durch meine Brust von Liebesweh und Liebeslust, bin um den Schlaf gebracht die ganze lange Nacht. Allein lieg ich, find keine Ruh, die ganze lange Nacht. An dich nur denk ich immerzu die ganze lange Nacht. Oh Lieb - so schön, wenn man beisammen, oh Lieb - so weh, geht's Lieb vondannen. Kalt scheint der Mond, mich dünkt, er lacht die ganze lange Nacht.
DAFYDD: ( ruft aus dem Zuschauerraum ) Mr. Jones, tut mir leid, Sie unterbrechen zu müssen, wo Sie gerade so schön in Schwung kommen. Es ist hübsch. Recht erfreulich. Ein kleiner Rat. Drehen Sie sich doch ein bisschen mehr in meine Richtung, ja?
GUY: ( versucht DAFYDD im Dunkeln zu sehen ) Nein, nein.
DAFYDD: Stellen Sie sich mal ein bisschen weiter weg vom Klavier. Versuchen Sie mal, Ihr Gewicht gleichmäßig auf beide Füße zu verteilen. Die Beine etwas auseinander. Fühlen Sie sich so nicht mehr im Gleichgewicht, na?
GUY: Ja, ja.
DAFYDD: Singen hat viel mit Gleichgewicht zu tun, Mr. Jones. Auf die Balance kommt's an. Man kann nicht auf einem Bein singen, was?
GUY: Ja, ja.
DAFYDD: Gut. Jetzt die Schultern zurück. Schultern ganz zurück, Mann.
GUY: Ja.
DAFYDD: So ist es besser. Also, bevor Sie noch mal anfangen, Mr. Jones, möchte ich, dass Sie mal ganz kurz durchatmen. ( Er demonstriert es geräuschvoll aus der Dunkelheit. ) Durch die Nase rein und raus durch den Mund. Und noch mal. So tief Sie können, darauf kommt's an.
GUY: ( GUY schwankt und taumelt ) Ja, ja.
DAFYDD: Nein, nein. Sie dürfen nicht hyperventilieren. Atmen Sie ganz normal. Na, Mr. Jones, fühlen Sie nun die ganze schöne Luft? In Ihren Atemwegen? Können Sie fühlen, wie sie durch Ihre Atemwege rauscht?
GUY: ( hustet ein bisschen ) Ja, ja.
DAFYDD: Wie sie die Spinnweben aus Ihren Atemwegen bläst?
GUY: Ja.
( ( Von jetzt an kommen immer mehr Leute auf die Bühne, um GUY zuzuhören. Dieser bemerkt sie nicht. Die ersten sind JARVIS HUNTLEY-PIKE und TED WASHBROOK. Dann kommen FAY und ENID, hören zu. Als GUY zur letzten Strophe kommt, erscheinen IAN HUBBARD und REBECCA HUNTLEY-PIKE, gefolgt von BRIDGET. ) )
DAFYDD: Jetzt sehen Sie aus wie ein richtiger Sänger, Mr. Jones. Von vorn, Mr. Ames. Von vorn.
( ( MR. AMES fängt wieder an zu spielen. GUY singt erneut. FAY und ENID kommen herein und hören zu. ) )
ENID: ( singt leise mit ) Allein lieg ich, find keine Ruh ...
DAFYDD: ( während GUY singt ) Gut, gut. Aber nicht so einen Buckel machen. Sie können nicht singen, wenn Sie so einen Buckel machen. Mr. Jones. ( fällt in seinen Gesang mit ein ) Die ganze lange Nacht ...
DAFYDD: ( als GUY fertig ist ) Bravo, bravo.
( ( Der Rest des Ensembles fällt in den Applaus mit ein. GUY fährt erschrocken herum. ) )
DAFYDD: Ah, da sind sie ja alle. Meine Damen und Herren, darf ich Ihnen ein neues Mitglied unserer Truppe vorstellen: Mr. Jones, der gerade mit vibrierenden Stimmbändern einen glänzenden Sieg errungen hat.
( ( Donnernder Applaus und Begrüßungsrufe des Ensembles. Die folgenden Texte überlappen sich. ) )
REBECCA: Hallo, willkommen. Spielt er den Münz-Mathias?
DAFYDD: Na ja, vielleicht, vielleicht.
REBECCA: Wir brauchen einen Münz-Mathias. Er wäre wunderbar. Hübsche Stimme.
GUY: ( lächelt dankbar ) Danke schön.
REBECCA: Nicht wahr? Eine hübsche Stimme. Ganz ungewöhnlich.
FAY: Ja.
REBECCA: Mr. Jones, stimmt's?
GUY: Guy.
REBECCA: Guy. Oh, ein hübscher Name. Guy gefällt mir. Klingt unheimlich maskulin.
ENID: Männlich, ja. Männlich.
FAY: Zum Fürchten, ja.
IAN: Gehen wir weiter oder gehen wir nach Hause? Ich bin afür, dass wir nach Hause gehen.
JARVIS: Mir ist es egal, was wir machen. Fünf nach zehn bin ich jedenfalls in der Kneipe.
DAFYDD: Meine Herrschaften, darf ich mal um Ihre Aufmerksamkeit bitten? Nur eine Sekunde, meine Herrschaften.
BRIDGET: Haltet doch mal die Schnauze!
REBECCA: Ich wünschte, sie würde nicht so schreien.
DAFYDD: Also, meine Herrschaften, ich muss mich dafür entschul ...
REBECCA: Warum kann sie nicht höflich um Ruhe bitten?
DAFYDD: Ich muss mich dafür entschuldigen, meine Damen und Herren, dass ich viel, viel langsamer vorankomme, als ich es vorhatte. Ich bitte Sie daher um Entschuldigung, dass ich Sie alle habe rufen lassen und dass Sie warten mussten. Aber wohlgemerkt, der heutige Abend war nicht vergeudet. Wir haben einen guten, soliden Grundstock gelegt. Darum möchte ich, bevor wir Schluss machen, schnell das Ganze noch mal durchmachen. Von Anfang an. Okay? In Ordnung, Ted?
TED: Von Anfang an?
DAFYDD: Wenn du so nett wärst. Okay, Mr. Ames?
REBECCA: Oh, gut. Wir können ja zuschauen.
TED: ( zu MR. AMES ) Wir fangen offenbar noch mal vom Anfang an.
AMES: Richtig.
JARVIS: Wie spät ist es denn?
IAN: Wir haben noch eine halbe Stunde Zeit.
FAY: ( zu REBECCA ) Gehst du schon rüber?
REBECCA: Da sei Gott vor! Zweieinhalb Stunden haben wir alle da hinten in der Kälte gesessen, jetzt woll'n wir doch mal sehen, wie weit die gekommen sind.
DAFYDD: Also, das Licht wird langsam eingezogen. Blackout. Mr. Ames in Position. Ted in Position. Und ganz langsam gehen die Scheinwerfer an, ganz weich ... und ... Einsatz.
AMES: ( liest als Bettler ) Zum Dichten ist nur ein Armer geeignet, heißt es. Da muss ich wohl ein großer Dichter sein. Denn ich gehöre zur Gilde der Bettler und mache mir einen Vers auf ihre wöchentlichen Festmähler in St. Giles. Ich beziehe ein sicheres Jahresgehalt für die Beute, die ich einbringe und bin dort jederzeit zum Mittagessen willkommen. Das ist mehr als mancher Dichter von sich sagen kann.
TED: ( liest als Schauspieler ) Da wir Schauspieler von den Musen leben, ist es unsere Pflicht, ein poetisches Talent zu fördern, wo immer wir es finden. Mag der Autor so gut oder schlecht sein wie er will, wir spielen ihn und geben uns die größte Mühe, alles aus seinem Stück herauszuholen. Also wünsche ich Ihnen von Herzen den größten Erfolg. Aber ich sehe, es ist Zeit für uns zu verschwinden. Die Kollegen wollen beginnen - die Ouvertüre kann ertönen.
( ( TED geht mit schwungvoller Gebärde ab. Kehrt etwas verblödet wirkend zurück - offensichtlich war es der falsche Abgang. Er trippelt hin und her auf der Suche nach dem richtigen Weg und geht dann mit einem reumütigen Blick zu DAFYDD ab. Stille. ) )
DAFYDD: ( versucht TEDs Fehler zu ignorieren ) Glänzend, glänzend. Gut gemacht!
REBECCA: Ist das alles?
DAFYDD: Ja, ja. Bis jetzt.
REBECCA: Das ist alles, was ihr heute abend habt?
DAFYDD: Ja.
REBECCA: Mein Gott. Wir kommen erst auf Seite 30 dran. Wann brauchst du uns? Nächsten Juni?
DAFYDD: Is' ja gut. Ist ja gut.
TED: ( ängstlich ) War das okay?
DAFYDD: Wundervoll, Ted, wundervoll.
REBECCA: Spannend. Kann gar nicht abwarten, wer der Mörder ist. Darauf müssen wir was trinken.
( ( Alle gehen zur Tür. BRIDGET geht nach hinten ab. ) )
JARVIS: ( vertraulich zu DAFYDD ) Wenn ich mir die Szene so ansehe, denke ich, es müsste 'n bisschen mehr Bewegung reinkommen, mehr Gesten, weißt du.
DAFYDD: Ja, ja. Natürlich. Später werd ich die Szene noch mit unheimlich vielen Gesten bereichern, Jarvis. Nur Geduld.
JARVIS: Du nimmst mir doch nicht übel, dass ich das sage?
DAFYDD: Aber überhaupt nicht. Aber weißt du, mit Ted kann man nicht so schnell vorangehen. Das dauert ein oder zwei Monate, bevor er nur mal begriffen hat, durch welche Tür er abgehen muss.
JARVIS: ( im Abgehen ) Du nimmst es mir doch nicht übel, wenn ich ab und zu 'ne interessante Idee beisteuere?
DAFYDD: Aber überhaupt nicht, Jarvis, jederzeit. Tu dir keinen Zwang an ... ( JARVIS geht ab. DAFYDD ruft ihm nach. ) Du solltest wirklich selber mal 'ne Regie machen. ( murmelt ) Und dann komm ich und versau dir, du faschistischer Klugscheißer, du. ( er sieht, dass GUY noch immer da ist ) Ah, Mr. Jones, Sie sind immer noch hier. Glänzend. Geh'n Sie voran. Normalerweise geh'n wir rüber ins 'Fleece'. Der Kerl, dem die Kneipe gehört, ist zwar 'n streitsüchtiges altes Schwein, aber es ist das beste Bier im Umkreis von 30 Meilen.
GUY: Sehr gut. Glänzend. Geh'n Sie voran.
( ( BRIDGET kommt von der Hinterbühne. ) )
DAFYDD: Ah, Bridget, machst du's Licht aus? Bitte?
BRIDGET: Ja.
DAFYDD: Bridget ist unser Inspizient. Außerdem spielt sie die Jenny Diver. Ohne Bridget würden wir das alles nicht schaffen. Sie passt auf, dass wir nicht durchdreh'n.
GUY: Gut für Sie. ( Er lächelt BRIDGET an. BRIDGET reagiert nicht. GUY spricht fröhlich weiter. ) Ich geh kurz mal mit zu diesem streitsüchtigen alten Schwein. Vielleicht seh ich Sie ja noch drüben?
DAFYDD: Bestimmt. Bridget ist seine Tochter.
GUY: Ah.
Die Kneipe
Die Kneipe ist überfüllt, die meisten Mitglieder der Truppe sind da. REBECCA, ENID und FAY sitzen zusammen an einem der Tische.
DAFYDD: ( schreit, um den Lärm zu übertönen ) Immer ziemlich voll, aber es lohnt sich für das Bier.
IAN: ( ruft herüber ) Ein Bier, Daff?
DAFYDD: Gott segne dich, mein Lieber. Aber ich glaub, das ist meine Runde.
IAN: Schon gut. Ich bring's.
DAFYDD: Für Sie auch, Mr. Jones?
GUY: Könnte ich auch einen Gin und Tonic haben?
DAFYDD: Gin und Tonic? Das trinkt man wohl in Leeds, was? Gut. ( ruft ) Ian? Kannst du diesem Burschen einen Gin und Tonic bringen?
IAN: Gin und Tonic? Der will wohl das letzte Mal hier sein, was?
DAFYDD: Machen Sie sich nichts draus. ( er lacht ) Das ist seine Art von Humor. Ian und sein Bruder sind Partner. Der Bruder macht die Arbeit, Ian gibt das Geld aus.
REBECCA: ( ihre Stimme schallt durch den Raum, zu GUY ) Wir haben alle für Sie gestimmt. Wir finden, Sie sollten den Münz-Mathias spielen. Wir finden Sie reizend.
GUY: Danke schön.
DAFYDD: Mrs. Huntley-Pike. Auch so eine Sängerin, die man möglichst weit nach hinten stellen sollte. Am besten gleich auf den Parkplatz.
GUY: So wie mich, meinen Sie? ( er lacht )
DAFYDD: Mein Gott, nein. Sie haben sie noch nicht gehört. Wenn die in einer Molkerei singt, wird die Milch sauer. Mein lieber Mann. Verheiratet. Natürlich. Mit diesem alten Stadtrat Hutley Plem, Plem Pike. Einer von diesen Wirrköpfen in unserem Rathaus. Was erklärt, warum diese Stadt in dem Zustand ist, in dem sie ist.
( ( IAN kommt mit den Getränken. ) )
IAN: Wohl bekomm's!
DAFYDD: Ah, danke Ian. Gott segne dich.
IAN: Gin und Tonic.
GUY: Haben Sie vielen Dank.
IAN: Hoffentlich wollen Sie kein Eis, er hat nämlich keins.
DAFYDD: Natürlich hat er das Eis. Dieser alte Gauner. Der versteckt's bloß. Seine Devise ist: Was kein Geld bringt, gibt's nicht. Seine Bieruntersetzer sind am Tresen festgeschraubt. Cheers!
IAN: Cheers!
GUY: Dies hier ... auf die Inszenierung.
DAFYDD: Ja, warum eigentlich nicht? Ich trinke auf die Bettleroper. ( schwenkt sein Glas in Richtung der Frauen ) Auf die Bettleroper!
FAY: ( als Echo ) Auf die Bettleroper! Ja.
REBECCA: Hört, hört! Auf die Bettleroper!
GUY: Wann kommen wir ... wann ist denn ... Beginn? Premiere?
( ( Hinter der Bar hört man schwach ein Telefon klingeln. ) )
DAFYDD: Wir haben noch dreieinhalb Monate Proben. Aber mit unserem guten, alten Ted werden wir sie auch brauchen, glaub ich. Erinnerst du dich, Ian, wir hatten ihn doch schon mal, was war's denn gleich, 'Sound of Music'? Oder?
( ( BRIDGET erscheint hinter der Bar, winkt DAFYDD sehr auffällig. ) )
BRIDGET: ( ruft ) Dafydd, Dafydd.
IAN: ( sieht sie, zu DAFYDD ) Dafydd, ich glaub, sie will was von dir.
DAFYDD: ( dreht sich zu ihr um ) Hallo. Ja, mein Liebchen?
BRIDGET: ( in Zeichensprache ) Telefon. Telefon.
DAFYDD: Ah, Telefon. Entschuldigt mich bitte, ja? ( zu GUY, indem er ihm sein Glas in die Hand drückt ) Halten Sie sich mal 'ne Sekunde daran fest. Schön aufpassen drauf!
GUY: Natürlich.
DAFYDD: ( im Abgehen ) Ich vertraue Ihnen.
BRIDGET: Es ist Hannah.
DAFYDD: Was zum Teufel will sie denn ...
( ( DAFYDD geht an eine Ecke der Bar, nimmt den Hörer an sein Ohr, stopft sich das andere mit einem Finger zu und beginnt ein Gespräch. Mit dem Weggehen von DAFYDD ist der Small Talk zwischen IAN und GUY fast zum Erliegen gekommen. ) )
IAN: Cheers!
GUY: Cheers!
( ( Pause. GUY, ziemlich nervös, nimmt einen Schluck aus DAFYDDs Bierglas. ) )
IAN: Sie kommen mit Dafydd gut aus, oder?
GUY: Doch, ja. Ich glaube ...
IAN: Hoffentlich. Sie trinken nämlich sein Bier.
GUY: Oh Gott, ja. Tschuldigung. Wissen Sie, das ist etwas, was ich immer ... also nicht gerade immer ... aber manchmal ...
FAY: ( kommt zu ihnen und unterbricht ) Darling, hast du Feuer? Da drüben sitzen nur ätzende Nichtraucher. ( Sie lächelt GUY zu, denn seinetwegen ist sie gekommen. ) Hallo, ich bin Fay. Ich bin die Frau von dieser Figur da. Wie geht's? Sie glauben gar nicht, was für ein Vergnügen es ist, einen neuen Mann bei der Truppe zu haben. Wir langweiligen Frauen sind nämlich in der Überzahl. Grauenvoll.
GUY: ( galant ) Nicht jeden packt dabei das Grauen.
FAY: ( wirft den Kopf mit einem klingenden Lachen zurück ) Schade, von Ihnen würde ich gern gepackt werden.
IAN: ( nicht nur zu sich selbst ) ... Jesus (Großer Gott). ( Er nimmt sein Glas und geht damit zur Bar, stellt es dort ab. )
FAY: Wo gehst du hin?
IAN: Den Wagen holen, warum?
FAY: Du meine Güte, vor der Polizeistunde? Was ist denn in den gegangen?
( ( FAY lächelt GUY wieder an. ) )
GUY: ( etwas unbehaglich ) Hallo. Na, also, ich glaube, ich muss jetzt auch langsam gehen.
FAY: Haben Sie einen Wagen? Sonst könnten Sie mitnehmen.
GUY: Nein, danke. Ich bin motorisiert ...
JARVIS: ( kommt mit leeren Gläsern auf sie zu ) Ich sag's ja, ich sag's ja.
FAY: ( flüsternd ) Oh, nein, schnell, verstecken Sie sich ... in Deckung.
JARVIS: ( hat sie erreicht ) Ich sag's ja. Sie sind ein (waschechter) Schotte, nicht wahr?
GUY: Nein, nein.
JARVIS: Das sind die einzigen Leute, die so was machen, wissen Sie. Diese Schotti-Lottis. Daran kann man sie erkennen.
FAY: Was erkennen?
JARVIS: Schau, schau, schau, schau hin, dann siehst du's. In jeder Hand 'n Glas. Whisky, Bier. Whisky, Bier. So machen's die, diese Schotti-Lottis, stimmt's?
GUY: Nein.
JARVIS: Ich erkenn sie immer. Ich erkenn sie immer. ( Er wackelt davon. )
GUY: Ich hab kein Wort verstanden.
FAY: Machen Sie sich nichts draus. Der ist total verrückt.
GUY: Ah.
FAY: Aber ganz harmlos.
GUY: Da bin ich aber froh.
FAY: Aber vor ihr müssen Sie sich in acht nehmen. ( Sie nickt in Richtung REBECCA. ) Hallo. ( Sie lächelt GUY wieder an. )
( ( IAN kommt von der Bar zurück, geht in Richtung Tür, er zieht FAY mit sich. FAY spricht dabei weiter. ) )
FAY: Das soll wohl bedeuten, dass wir gehen. Also dann, gute Nacht.
GUY: Gute Nacht.
IAN: Nacht.
FAY: Entschuldigen Sie uns. In manchen Nächten kann er sich kaum beherrschen.
( ( FAY und IAN gehen. ) )
JARVIS: ( ruft von der Bar zu GUY herüber ) Hey! Du Jimmy, sag ich, Jimmy.
GUY: ( verwundert ) Ich?
JARVIS: Wenn du willst, dass ich dir noch 'n Schlückchen nachschütte, dann ...
GUY: Nein, danke schön, das ist Gin ...
JARVIS: ( zu BRIDGET ) Schütt ihm noch 'n Schlückchen nach, unserem Freund aus dem Land der Dudelsäcke.
GUY: Oh Gott.
( ( Drüben, in einer anderen Ecke der Bar, beginnt MR. AMES Klavier zu spielen. Kurz darauf fängt TED an zu singen, und dann fallen einige von den anderen ein. ) )
TED: ( singt ) Füllt mir das Glas, denn Wein belebt mich, erhebt mich zu Liebe, Lust und Mut!
ALLE: Füllt uns das Glas! Der Saft der Reben gibt Leben voll Feuer, Lieb und Scherz.
TED: Ja, Weib und Wein erfreun das Herz! Was kann's auf Erden Schön'res geben? Füllt uns das Glas! Der Saft der Reben gibt Leben voll Feuer, Lieb und Scherz.
ALLE: Ja, Weib und Wein erfreun das Herz! Was kann's auf Erden Schön'res geben? Füllt uns das Glas! Der Saft der Reben gibt Leben voll Feuer, Lieb und Scherz.
( ( Während des Gesanges steht GUY etwas verwirrt herum. JARVIS kommt auf ihn zu und schüttet einen großen Scotch in sein Ginglas. DAFYDD hat sein Telefonat beendet und kommt zu GUY. ) )
DAFYDD: ( über den Gesang ) Guter, alter Ted. Stellt ihn neben ein Pianoforte, und er hebt ab. Wunderschöne Musik, nicht wahr? Sind alles Volkslieder, die Gay verwendet hat.
GUY: Wirklich?
DAFYDD: Genau so frisch wie eh und je ...
( ( BRIDGET läutet auf der anderen Seite der Bar eine große Glocke. Der Gesang hört auf. ) )
BRIDGET: Mein Vater sagt, er hat keine Lizenz für Musik und Tanz, und ihr möchtet doch bitte mit dem verdammten Lärm aufhören ...
( ( Ein Chor von Pfiffen und Buhs von Seiten der Singenden. ) )
BRIDGET: Er hat nur nicht 'bitte' gesagt wie ich ...
CRISPIN: Wofür hat er denn dann das Klavier?
BRIDGET: Das ist für private Veranstaltungen reserviert ...
REBECCA: Das hier i s t eine private Veranstaltung ...
BRIDGET: Drück dich anständig aus. Du bist hier nicht in der Gosse, verstanden?!
JARVIS: ( zu MR. AMES ) Spielen Sie einen Highland Fling für unsere Schotti-Lotti hier.
BRIDGET: Tut mir leid. So ist nun mal die Hausordnung hier. Danke vielmals. Und nun die letzten Bestellungen bitte ...
CRISPIN: Ihr solltet das Klavier rausschmeißen, wenn man's nicht benutzen darf.
BRIDGET: ( überhört das ) Die letzten Bestellungen bitte.
LINDA: Ist sowieso ein schmutziges Lokal.
BRIDGET: Du weißt ja, wo du hingehst, wenn du's hier nicht kannst. Oder? Sitzt hier drei Stunden rum und trinkt 'ne halbe Zitronenlimonade ... Auf solche Gäste können wir verzichten.
LINDA: Was geht dich das an, was ich trinke? Was in aller Welt geht dich das an, wenn ich fragen darf ...
BRIDGET: ( äfft sie nach ) Was in aller Welt geht dich das an, wenn ich fragen darf ...
DAFYDD: Lasst's gut sein, Mädchen, genug jetzt ... Burgfrieden, bitte.
LINDA: Dreckiges kleines Barmädchen ...
TED: Na, na, na, Linda ...
( ( CRISPIN schlägt provokativ einen Akkord auf dem Klavier an. ) )
BRIDGET: Hey, du, warst du das? Wenn du das Klavier noch einmal anrührst, bist du draußen, verstanden?!
CRISPIN: Ja, mein Fräulein ... das war ich nicht, mein Fräulein ...
( ( LINDA klimpert ein paar Töne. ) )
ENID: Linda! Oh, sie ist ein ungezogenes Mädchen.
TED: Na, na, na, Linda, na, na ...
BRIDGET: ( fegt wie ein Tornado um den Tresen ) Mir langt's, du! Jetzt hab ich aber die Nase voll von dir, du ...
DAFYDD: Bridget, langsam, Bridget, mein Mädchen. ( zu GUY ) Oh Gott, man darf sie nicht reizen ... dieses Mädchen hat ungeheuer viel Kraft ...
( ( BRIDGET nähert sich LINDA. ) )
BRIDGET: Los. Raus hab ich gesagt.
LINDA: Wirklich? Versuch's und wirf mich raus.
BRIDGET: ( schubst sie ) Raus, raus ...
REBECCA: Frieden, Kinder ...
ENID: Jemand muss sie zurückhalten. Irgend jemand muss sie aufhalten!
TED: Na, na, Linda, na, na ...
DAFYDD: Ich glaube, wir hatten alle 'n bisschen Spaß und die Sache ...
( ( CRISPIN tritt während des letzten Satzes zwischen BRIDGET und LINDA. Er sieht BRIDGET herausfordernd an. ) )
CRISPIN: Hey ... Wen schubst du denn hier rum?
BRIDGET: Jeden, der mir in die Quere kommt, hast du was dagegen?
CRISPIN: Nie davon gehört, dass der Kunde König ist? Hast du nie davon gehört?
BRIDGET: In dieser Kneipe gibt's keine Könige. Und jetzt verpiss dich.
CRISPIN: Wie du dich ausdrückst. Wie du dich ausdrückst ...
( ( Er tätschelt ihr Kinn. Jetzt wird BRIDGET wirklich wild, stürzt sich auf CRISPIN und will ihn mit dem Knie an seiner empfindlichsten Stelle treffen. Mit aller Macht teilt BRIDGET einen gewaltigen Faustbieb aus, dem CRISPIN nur knapp ausweichen kann. Alle - außer LINDA, die entsetzt zuschaut, und TED und ENID, die diesen Anblick überhaupt nicht ertragen können - feuern BRIDGET mit Zurufen und Gelächter an. ) )
BRIDGET: ( während sie zuschlägt ) Los, hau ab. Raus, raus. Hinaus!
CRISPIN: ( halb amüsiert über ihren Angriff ) Schon gut, schon gut, schon gut, ich gehe, ich gehe.
( ( CRISPIN und BRIDGET verschwinden für einen Augenblick auf die Straße. Dann kommt BRIDGET triumphierend zurück. Sie bekommt Applaus. LINDA stolziert würdevoll zur Tür. BRIDGET hält ihr diese mit gespielter Höflichkeit auf. ) )
ENID: ( ängstlich ) Linda ...
LINDA: ( kühl ) Gute Nacht.
BRIDGET: Wünsche wohl zu ruhen. (2. Fassung: Gut's Nächtle.)
( ( LINDA geht. ) )
BRIDGET: Schluss der Vorstellung. Kann ich bitte eure Gläser haben? Danke schön.
( ( JARVIS ruft GUY zu. ) )
JARVIS: ( ruft GUY zu ) He, Schotti-Lotti, erinnert dich das an Glasgow, was? Fast wie zu Hause. ( er lacht )
DAFYDD: ( düster ) Jedesman, wenn Sie hierherkommen, müssen Sie sich immer wieder sagen: Ich weiß, es ist die Hölle, aber das Bier ist gut. Das ist mein Glas, oder?
GUY: ( reicht ihm das leere Glas ) Ja. Entschuldigung.
DAFYDD: An so 'nem Krach merkt man doch wenigstens, dass man noch lebt. ( er zuckt die Schultern ) Hoffentlich hat Bridget den Knaben nicht verletzt. Wir brauchen ihn noch.
GUY: Was spielt er denn?
DAFYDD: Den Macheath. Na, vielleicht nicht gerade die Idealbesetzung. Irgendwie zu schnell reizbar. Aber wir hatten keine andere Wahl.
( ( REBECCA und JARVIS kommen vorbei. REBECCA hat einen in der Krone, bewegt sich extrem vorsichtig. ) )
DAFYDD: Gute Nacht ihr beiden.
REBECCA: Gute Nacht. ( mit glasigem, charmantem Lächeln zu GUY ) Wir sehen uns morgen.
GUY: Ja, sicherlich ...
JARVIS: Wir sehen uns, Allerwertester. Eh, seh'n wir uns, Allerwertester? ... ( Er lacht. )
GUY: ( lacht auch ) Ja, ja ...
REBECCA: ( im Gehen ) Bist du sicher, dass er Schotte ist?
( ( REBECCA und JARVIS gehen. ) )
DAFYDD: Allerwertester. Er meint, Sie können ihn mal am ... ( er brüllt vor Lachen und schlägt GUY auf den Rücken ) Verzeihung, Guy, üben Sie Nachsicht mit meinem derben walisischen Rugbyspielerhumor ... Entschuldigen Sie bitte.
GUY: Sind Sie Rugbyspieler?
DAFYDD: Oh Gott, nein. Kann das Spiel nicht ausste'h'n. Sieben Jahre lang musste ich Rugby spielen. Hat mich total kaputt gemacht. Was sollte ich machen - mein Vater war ein Fanatiker. Einer von den 150-prozentigen. Seine ganze Sprache bestand aus Rugbyausdrücken, verstehen Sie? Und dementsprechend war meine Kindersprache. Da gab's den Mann mit der steifen Mondrakete, das Leben konnte ich nur meistern, wenn mir das Ding stand, und Weiber sollte ich am besten im Knäuel befummeln. Lauter solche Schweinereien. Herrgott, war ich froh, als ich von zu Hause weg war ...
GUY: Ihre arme Mutter.
DAFYDD: Nein, die war in Ordnung, sie ist mit mir zusammen abgehauen ...
( ( TED und ENID kommen an ihnen vorbei. ) )
DAFYDD: Gute Nacht, Ted, Enid ...
ENID: Wir müssen Linda suchen, Dafydd.
TED: Sie ist noch ein Kind, weißt du, Dafydd ...
ENID: ( ihn beinahe überlappend ) Sie war immer schon sehr reif, weißt du ...
TED: ( sie beinahe überlappend, beendet den Satz ) ... körperlich, weißt du ...
ENID: ... körperlich, aber seelisch ...
TED: ... seelisch ist sie immer noch weit entfernt von ...
ENID: ... für ihr Alter ...
TED: ... reif, weißt du ...
ENID: ... unreif, ja.
TED: Und wir sind nicht glücklich über diesen Jungen, überhaupt nicht, Dafydd, ich meine, wir sind nicht ...
ENID: ... versnobt, überhaupt nicht ...
TED: ... klassenbewusst. Aber er ist nicht der Richtige.
( ( Beide geht gnädigerweise die Puste aus. Kurze Pause. ) )
DAFYDD: Gut ... wenn ihr irgendwelche Probleme habt, ruft mich zu Hause an.
TED: Dank dir, Dafydd ...
ENID: Dank dir vielmals, Dafydd ...
DAFYDD: Ich bin in zehn Minuten zu Hause. Also. Nacht.
TED: Gute Nacht.
ENID: Gute Nacht. Ich hoffe, Sie schlafen gut.
( ( zu GUY: "Die ganze lange Nacht ..." Sie lacht. TED und ENID gehen. ) )
GUY: Danke. Gute Nacht.
( ( Er lacht. ) )
DAFYDD: Immer einen kleinen Scherz auf den Lippen, unsere Enid. Werden Sie schon noch merken. A propos, wir haben noch gar nicht über die Besetzung geredet. Ich glaube, das sollten wir jetzt tun, was?
GUY: Ja, das wäre nett. Dann könnte ich doch 'n bisschen dran arbeiten. Wenn ich weiß, was ich spiele.
BRIDGET: ( droht, hinter der Theke hervorzukommen ) Geht ihr jetzt endlich oder muss ich euch rausschmeißen?
DAFYDD: ( hastiger Rückzug ) Nein, nein, Bridget. Wir gehen. Wir gehen. Haben Sie vielleicht Ihren Wagen in der Nähe?
GUY: Ja, gleich um die Ecke.
DAFYDD: Also, passen Sie auf, ich wohne nur zwei Straßen weiter. Ich könnte Ihnen das Textbuch und 'ne Tasse Kakao geben. Einverstanden?
GUY: Prima. Auf geht's!
( ( GUY und DAFYDD verlassen die Kneipe. BRIDGET räumt noch ein Weilchen auf. Plötzlich steht CRISPIN in der Tür. Drohend steht er da. BRIDGET sieht ihn und verkrampft sich, bereit für einen Kampf. Stille. CRISPIN geht langsam auf sie zu. Sie stehen sich Auge in Auge gegenüber. Ganz unerwartet packt er sie am Hinterkopf. Ihre Münder treffen sich in einem brutalen Kuss. Die Szene wechselt zu DAFYDDs Wohnzimmer. ) )
DAFYDDs Wohnzimmer
DAFYDDs Wohnzimmer. Gemütlich und bequem, aber eng. Man sieht dem Raum an, dass hier auch Kinder leben. Eine große, selbstgemachte männliche Puppe sitzt auf einem der Stühle.
DAFYDD: ( flüstert ) Ja ... wie ich's mir gedacht habe. Sie ist schon im Bett. Meine Frau ist keine Nachteule. Muss ja auch früh aufstehen, wegen der Kinder.
GUY: Wieviele haben Sie denn?
DAFYDD: Zwei. Mädchen. Zwillinge.
GUY: ( zeigt auf die Puppe ) Ist das ihre?
DAFYDD: Ja ... Geben Sie mir Ihren Mantel ... die nennen sie ihren anderen Pappi. Immer, wenn ich nicht da bin, holen sie ihn raus und tun so, als wäre i c h das.
DAFYDD: Wahrscheinlich hat ihn heute abend irgend jemand als 'Wink mit'm Zaunpfahl' dahin platziert. Ich setz Wasser auf. Dauert nur 'ne Sekunde. Wenn Ihnen kalt ist, stellen Sie die Heizung an. Mir persönlich ist es warm genug. Machen Sie's sich bequem ...
( ( Er geht. GUY sieht sich im Zimmer um. Nach einer Weile setzt er sich und wartet geduldig. Ganz plötzlich und unerwartet betritt HANNAH den Raum. Sie ist im Nachthemd, ihr Gesicht glänzt von Creme. ) )
HANNAH: ( spricht, während sie eintritt ) Dafydd, wenn du irgendwas zu ... ( sie sieht GUY ) Oh.
GUY: ( steht auf ) Hallo, ich bin ...
HANNAH: Oh Gott. Entschuldigen Sie mich. ( Sie flüchtet aus dem Zimmer. GUY bleibt etwas verwirrt stehen. Der folgende Dialog findet im Off statt. )
HANNAH: ( off ) Dafydd ...
DAFYDD: ( off, fröhlich ) Hallo, Liebes. Ich wurde 'n bisschen aufgehalten, tut mir leid.
HANNAH: ( off ) Du hast mir gesagt, dass du niemanden mit nach Hause bringst.
DAFYDD: ( off ) Ja, ich weiß, ich weiß.
HANNAH: ( off ) Ich meine nur, deswegen hab ich dich extra angerufen, Dafydd. Ich hab dich angerufen und gefragt, ob du jemanden mitbringst heute abend ...
DAFYDD: ( off, gleichzeitig ) Es war eine spontane Idee ...
HANNAH: ( off ) ... und du hast nein gesagt, darum hab ich mich schon ausgezogen.
DAFYDD: ( off ) Du kannst ins Bett gehen. Du kannst ins Bett gehen.
HANNAH: ( off ) Wenn jemand hier ist, kann ich es nicht.
DAFYDD: ( off ) Natürlich. Dem Jungen macht das nichts aus.
HANNAH: ( off ) Wer ist das?
DAFYDD: ( off ) Ein Niemand. Er ist für niemanden wichtig. Ein Kleindarsteller, weiter nichts.
HANNAH: ( off ) Ich zieh mich an.
DAFYDD: ( off, ruft der weggehenden HANNAH nach ) Wozu denn die Umstände? Wegen dem musst du dich doch nicht anziehen, lohnt sich nicht.
( ( Pause. Eine Tür wird zugeschlagen. Eine Sekunde später kommt DAFYDD wieder ins Zimmer. Er hat ein Textbuch in der Hand. ) )
DAFYDD: Da sind wir wieder. Tut mir leid, dass Sie warten mussten. ( Es wird ihm plötzlich bewusst, dass GUY etwas von der draußen geführten Konversation mitbekommen haben muss. ) Die Sache ist die ... da draußen ist die Luft ein bisschen dick. Übrigens, ich hab Sie noch gar nicht gefragt - Tee, Kaffee oder Kakao?
GUY: Tee?
DAFYDD: Kein Problem. Also ... ( Er blättert im Buch. ) Ich ... ähm ... hab gehört, Sie sind über die Hausfrau gestolpert.
GUY: Na ja ...
DAFYDD: Oder genauer: sie über Sie. ( Er lacht. )
GUY: So war's wohl eher, ja.
DAFYDD: ( fühlt, dass eine Erklärung angebracht wäre, es fällt ihm aber keine ein ) Ja, sie ist ... Sie wissen ja ... Frauen ...
GUY: Ja.
DAFYDD: Sie mögen keine Überraschungen, stimmt's? Es sei denn, sie wissen schon vorher, um was es sich handelt. ( er lacht ) Ich würde dir gern eine Geburtstagsüberraschung machen, was hättest du denn gerne? Aber jetzt zu uns. Diese Besetzungsgeschichte. Ich hab so das Gefühl ... also irgendwas klingelt in meinem Sonnengeflecht ... verstehen Sie ... und ich irre mich selten ... manchmal, nicht oft, dass sie ein sehr guter Hakenfinger Jack sein könnten. Der liegt Ihnen sicher, was? Haben Sie Geschmack am Hakenfinger Jack? (2. Fassung: Ist der Hakenfinger Jack vielleicht Ihr Geschmack? - A wie A gesprochen.)
GUY: Ja, der klingt recht interessant ... ja.
DAFYDD: Ich will ehrlich sein, es ist keine riesige ... kennen Sie die Bettleroper überhaupt?
GUY: Nein. Ausgerechnet die kenne ich nicht ...
DAFYDD: Macht nichts. Es ist, wie ich gesagt habe, es ist keine riesige Rolle. Aber sie hat was ... eigentlich ist sie eine ganz wichtige Rolle, wirklich, eine von diesen Charakterrollen eben ... ich meine, er muss ... wie sagt er doch gleich ...? ( er blättert vage im Manuskript ) Na ja, er hat wohl nur diesen einen Satz im zweiten Akt, aber gerade diese Art von Charakterrollen bleibt dem Publikum im Gedächtnis.
GUY: Das liegt vielleicht an seinem Finger ...
DAFYDD: ( bemerkt den kleinen Witz nicht ) Was? Nein, wissen Sie, das Stück ist voll von diesen wunderbaren Charakteren. Da gibt's die Straßenräuber ( genießt die Namen ) Hakenfinger Jack, Jimmy, der Zitterer, Klemmede, der regsame Ben, Münz-Mathias ... na ja ... ( er überlegt ) Das wäre auch noch eine Rolle, die für Sie in Frage käme ... aber mein Gefühl als Regisseur sagt mir, dass der Münz-Mathias für einen Anfänger wie Sie etwas zu gewagt wäre.
GUY: Nein, das ist klar, ich wollte auch nicht ...
DAFYDD: Das soll Sie natürlich in keiner Weise herabsetzen ...
GUY: Nein, nein, bitte - Sie sind der Regisseur ...
DAFYDD: ( erleichtert ) Also gut. Ich hab Dr. Packer damit besetzt und der hat, ehrlich gesagt, eine ganze Menge Erfahrung. Aber trotzdem soll das jetzt nur der Beginn einer langen und schönen Zusammenarbeit sein. Hoffentlich.
GUY: Das hoffe ich auch.
DAFYDD: Gut. ( er gibt GUY das Buch ) Möchten Sie's haben?
GUY: Danke.
DAFYDD: Sie finden ihn so auf Seite 32. Auf Seite 35 geht er dann ab, glaub ich. Aber ich überlege mir ernsthaft, ob ich ihn im dritten Akt nicht noch mal auftreten lassen soll. Man wird sehen.
GUY: Glänzend. Haben Sie vielen Dank.
DAFYDD: Für die PAOT ist das ein absoluter Neubeginn, wissen Sie?
GUY: PAOT?
DAFYDD: Pendons Amateur Operetten Truppe ...
GUY: Oh ja. Entschuldigung. Natürlich ...
DAFYDD: Ab und zu muss man mal was Neues wagen. Im Komitee hatte ich mit allerhand Widerständen zu kämpfen. Diese verknöcherten Reaktionäre mit ihrem Kolonialherren-Allüren. Aber ich bin felsenfest überzeugt, dass dieses Stück ... es wurde zum ersten Mal ... wann war's denn? ... 1728 aufgeführt ... noch genauso unterhaltsam, lebendig und modern ist wie damals. Flitter-Susi ... Huren-Betty ... Mrs. Schmuser ... Mrs. Füchslein ... das sind die Huren und Kupplerinnen der Stadt ... man sieht sie deutlich vor sich, wenn man ihre Namen hört, nicht wahr? Polly Peachum ... Polly Pfirsich ... Das sagt alles über sie, was man wissen muss, oder? Was für eine Zeit, hm?
GUY: Ja, ja, natürlich damals hatten sie keine ...
DAFYDD: Ich meine, schau'n Sie uns doch an. Sexshops. Ich frage Sie, können Sie sich Captain Macheath vorstellen, wie er sich in 'nen Sexshop schleicht - kauft was, was seine Ehe wieder auf die Sprünge helfen soll. Was ist bloß mit uns passiert, Guy? Was ist mit uns passiert, hm? ( Kurze Pause. ) Tut mir leid. Manchmal geht's mit mir durch. Behauptet man jedenfalls. Haben Sie jemals daran gedacht, das Theater zu Ihrem Beruf zu machen? Ich meine nur, Sie scheinen doch ...
DAFYDD: Oh, ich war, ich war. Ich war ein paar Jahre am Theater.
GUY: Wirklich?
DAFYDD: Oh ja. Ich habe meinen Teil geleistet.
GUY: Als Regisseur?
DAFYDD: Nein, nein, damals hab ich das gespielt. Und so 'n bisschen dies und das hinter der Bühne. Verstehen Sie?
GUY: Wo war das?
DAFYDD: ( ausweichend ) Oh, überall. Am längsten in Minehead.
GUY: Ach ja.
DAFYDD: Was soll's. Das ist den Bach runter, heute ... respektabler Rechtsanwalt. Tja, der Vernunft gehorchend. In welcher Tretmühle stecken Sie denn?
GUY: Oh, ich bin. ( Bevor er seinen Satz zu Ende sprechen kann, tritt HANNAH ein. Sie hat sich zurechtgemacht und tut so, als habe die vorherige Begegnung mit GUY nicht stattgefunden. Sie bringt ein Tablett mit zwei Bechern Kakao. )
DAFYDD: ( steht höflich auf, obwohl HANNAH an solches Benehmen in seinem Haus nicht gewöhnt ist, erhebt sich mit einiger Verspätung ) Das ist sie ... das ist meine Frau Hannah.
HANNAH: Sehr erfreut.
GUY: Sehr erfreut.
DAFYDD: Liebste, das ist Mr. Jones. Mr. Guy Jones.
HANNAH: Hallo.
GUY: Hallo.
DAFYDD: Lass mich das ... ( er nimmt ihr das Tablett ab ) Sollen wir hier sitzen?
HANNAH: Ja, dort gibt's Ränder ... ( zu GUY ) Aber setzen Sie sich doch bitte ... Brrr! Ist das kalt hier! Die Heizung ist abgestellt.
DAFYDD: So? Haben wir gar nicht bemerkt, was? Knallwarm.
HANNAH: Die Kakaodose stand auf dem Tisch, daraus hab ich geschlossen, du wolltest Kakao.
DAFYDD: Oh nein, Guy wollte Tee. Tut mir leid, Liebes.
GUY: Aber das macht doch nichts.
HANNAH: Ich kann Tee machen.
GUY: Nein, bitte, wirklich ...
DAFYDD: Tee macht keine Umstände ...
GUY: Nein, es ist sehr gut so. Bitte.
HANNAH: Gut. Wenn Sie meinen.
GUY: Ich bin ganz zufrieden so. ( Kurze Pause. )
HANNAH: Tja, ich werd euch jetzt verlassen.
DAFYDD: Bleib doch da. Bleib doch da ...
HANNAH: Wenn ihr über die Arbeit reden wollt ...
DAFYDD: Nein, wir sind fertig. Setz dich einen Augenblick. Bitte.
HANNAH: ( lächelnd ) Na ja, aber nur, wenn ich nicht störe.
( ( Sie setzt sich. ) )
DAFYDD: Und überhaupt. Arbeit kann man das kaum nennen, was?
HANNAH: Oh?
DAFYDD: Guy wird bei uns den Hakenfinger Jack spielen.
HANNAH: Bitte?
DAFYDD: Den Ganoven, der uns noch gefehlt hat, ich hab ihn gerade engagiert.
HANNAH: Oh, wie schön.
DAFYDD: Ich denke, er wird ein guter Jack werden, meinst du nicht auch, Hannah? Ist doch der Typ für 'n Straßenräuber?!
HANNAH: Na ja, vielleicht ...
DAFYDD: Oh, mein lieber Guy. Sie klingt nicht gerade sehr überzeugt. Überzeugt dich nicht?
HANNAH: Doch, ich denke nur, er sieht etwas zu hübsch aus für einen Straßenräuber.
DAFYDD: ( Sie lächelt nervös. ) ( lacht schallend ) Also, ich weiß nicht, was Sie davon halten, Guy, weiß ich wirklich nicht. Was halten Sie davon?
GUY: Ich weiß es auch nicht. ( Er lächelt. DAFYDDs Lachen verebbt. Stille. )
DAFYDD: Vielleicht verpassen wir ihm eine Augenklappe.
HANNAH: Ja ... ( Sie lachen. Wieder Stille. )
DAFYDD: Mit den Mädchen alles in Ordnung, ja, sie schlafen.
DAFYDD: Gwinny hustet nicht mehr?
HANNAH: Oh nein, ich hab ihr Hustensaft gegeben.
DAFYDD: Gut. Gut. ( Pause. ) Gut.
HANNAH: ( zu GUY ) Wir haben Zwillinge.
GUY: Ja ...
HANNAH: Gwyneth ist die, die erkältet ist, und Mayfany ist die, die sich gerade von ihrer Erkältung erholt ... Sie lösen sich immer ab.
GUY: Hübsche Namen.
HANNAH: Ja, Dafydds Mutter hat sie ausgesucht.
DAFYDD: Mit unserer Hilfe.
GUY: Ah.
DAFYDD: In diesem Haus ist alles walisisch.
HANNAH: Außer mir allerdings. Sie wurde in Middlesex fabriziert.
GUY: ( etwas überbetont ) Ach wirklich? Middlesex?
HANNAH: Ja. Sind Sie auch aus Middlesex?
GUY: Nein.
HANNAH: Oh.
DAFYDD: Er ist aus Leeds. Stimmt's?
GUY: Stimmt.
HANNAH: Oh, Leeds, aha ... ist Ihre Frau von hier?
DAFYDD: Nein, Liebste, er hat keine Frau ...
HANNAH: Nein?
GUY: Nein, sie ... sie ist gestorben ... vor kurzem.
HANNAH: Ach je!
DAFYDD: Ach je! Das wusste ich nicht. Ein Unfall?
GUY: Nein, eigentlich nicht, es war ... ( er sucht nach Worten )
DAFYDD: Zufall. (2. Fassung: Absicht.) ( Er lacht. )
HANNAH: ( heftig ) Dafydd ...
DAFYDD: Verzeihung. Verzeihung. Ich bitte um Entschuldigung. Tut mir wirklich leid, Guy.
GUY: Ist schon gut.
HANNAH: So was macht er immer.
GUY: Sie war schon eine ganze Weile krank ... vorher ...
HANNAH: Oh, mein Lieber. Wie lange ist sie ... ist das her?
GUY: Etwas über ein Jahr.
HANNAH: Ah.
DAFYDD: Ah ...
GUY: Ich hab natürlich eine ganze Weile gebraucht, um darüber wegzukommen ...
HANNAH: ... ja, es war sicher ...
GUY: Aber endlich hab ich beschlossen, das Leben wieder beim Schopf zu packen und wieder 'n bisschen unter Leute zu gehen. Darum hab ich mir einen Ruck gegeben und an David geschrieben ...
DAFYDD: ( korrigiert ihn ) Da ... fydd th
GUY: ( versucht es richtig auszusprechen ) Da ... fydd.
DAFYDD: Beinahe. ( spricht es ihm langsamer vor ) Da ... fydd.
GUY: Da ... fydd.
HANNAH: Also wirklich ... so war's fast gut.
DAFYDD: Fast gut ist nicht gut genug ...
HANNAH: Schlimm genug, wie's ist. Würde es Ihnen gefallen, wenn Sie Ihre Sachen zur Reinigung bringen und Ihren Nachnamen buchstabieren müssten?
DAFYDD: ( typisch walisisch ) Chluällin. Was Einfacheres gibt's doch nicht.
HANNAH: Aber Ihre Arbeitsstätte ist doch hier, nein?
GUY: Ja, ich arbeite bei BLM.
DAFYDD: BLM? Drüben im Industriegebiet?
GUY: Ja, dort ...
DAFYDD: Große Bosse, hm?
GUY: Na ja, die, ich nicht.
HANNAH: Was machen die eigentlich, BLM? Das wollte ich immer schon mal fragen.
GUY: Also ...
DAFYDD: Das ist schwer zu beantworten, hm, Guy?
GUY: Ja, schon ...
HANNAH: Ich meine, was machen sie denn überhaupt was?
DAFYDD: ( lacht ) Riesenprofite wahrscheinlich ... Richtig?
GUY: Richtig. ( Er lacht. )
HANNAH: Na ja. Sie müssen es mir nicht sagen, wenn Sie nicht wollen ...
GUY: Wir sind ein multinationaler Konzern, der extrem diversifiziert operiert ...
DAFYDD: Diversifiziert, Liebes. Das heißt, dass sie in den verschiedensten Sparten ...
HANNAH: ( gereizt ) Ja, ich weiß. Ich weiß ...
DAFYDD: So?
HANNAH: Ja, ich weiß, was diversifizieren heißt.
GUY: ( etwas verlegen ) Und deshalb ist es ein bisschen schwierig, das genau zu erklären. Ich arbeite in einem ziemlich kleinen Nebengebäude, in einer ziemlich merkwürdigen Abteilung für alternative Kostenplanung. Und da bin ich nur ein ganz kleines Rädchen im Getriebe.
HANNAH: Ich bin trotzdem beeindruckt.
DAFYDD: Dass Sie bei BLM sind, könnte interessant werden, weil ... ( Im Flur klingelt das Telefon. )
HANNAH: Wer könnte das sein? ... ( Sie will hinausgehen. )
DAFYDD: Ich geh schon, ich geh schon. Vielleicht ist es Ted ...
HANNAH: Ach, macht Linda wieder Ärger?
DAFYDD: Ja, wie üblich, wie üblich ... ( Er geht. )
HANNAH: Das sind Freunde von uns, sie haben diese Tochter, die sie abgöttisch lieben. Und die nutzt das natürlich schamlos aus ...
GUY: Ja, ich hab sie kennengelernt.
HANNAH: So, haben Sie das. Sie ist das reinste Magengeschwür für die beiden. Sie hat ihrer Mutter alle Kleider angezündet, denken Sie doch ...
GUY: Angezündet?
HANNAH: Ja, Enid steckte nicht drin natürlich, als sie's gemacht hat, aber alle ihre Sachen ratzeputz futsch, außer denen, die sie anhatte. Die beiden kamen von einer Bürgerversammlung nach Hause, und ihr Kleiderschrank brannte lichterloh.
GUY: Himmlischer Vater!
HANNAH: Aber wissen Sie, ich kann mir nicht helfen, irgendwie denk ich, dass sie selbst dran schuld sind. Ich hoffe nur, dass unsere nicht mal so werden. Haben Sie Kinder, Mr ...
GUY: Guy, bitte. Nein. Meine Frau konnte keine bekommen. Sie ... war nicht sehr kräftig.
HANNAH: Schade. Vermissen Sie sie sehr?
GUY: ( so, als ob er über diese Frage das erste Mal nachdächte ) Ja. Ja. Das tue ich. Ich vermisse sie sehr.
( ( HANNAH sieht ihn an. Ein Moment entsteht. DAFYDD kommt vom Telefon zurück und zerstört die Verzauberung. ) )
DAFYDD: ( beim Hereinkommen ) Das war Enid. Als sie nach Hause kamen, lag Linda im Bett. ( HANNAH will etwas sagen. ) Ja, genau das habe ich gefragt. Nein. Tief, fest und allein. Also falscher Alarm. Sie haben immer noch eine Tochter und, was wichtiger ist, wir haben immer noch eine Lucy Lockit. Und was hat sich hier inzwischen getan? Irgend etwas, das ich wissen sollte?
HANNAH: Ich glaube, ich muss jetzt ins Bett, wenn ich mich bitte entschuldigen darf. ( schaut auf seine Uhr ) Du lieber Himmel, ja. Ich müsste schon ...
DAFYDD: Wegen mir müssen Sie nicht gehen, ich bin ein Nachtmensch ...
GUY: Nein, es ist wirklich ...
DAFYDD: Dann hol ich Ihnen Ihren Mantel.
( ( Er geht hinaus. ) )
GUY: ( zu HANNAH ) Vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft ....
HANNAH: Ach, war doch gar nichts. Sie haben ja nicht mal Ihren Kakao getrunken.
GUY: Vielleicht ein andermal.
( ( DAFYDD kommt zurück und hilft GUY in den Mantel. ) )
GUY: Ich hoffe jedenfalls, es dauert nicht zu lange, bevor ich sie wiedersehe.
DAFYDD: Wen? Sprechen sie von Hannah, ja? Schon morgen abend sehen Sie sie wieder.
GUY: ( erfreut ) Oh, wirklich?
DAFYDD: Hat sie Ihnen nicht erzählt, dass sie mitspielt? Sie ist unsere Polly Peachum, nicht wahr, mein Liebes? ( Er knufft sie liebevoll. )
GUY: Oh. Verstehe. Großer Gott.
HANNAH: ( während sie das Tablett nimmt ) Morgens seh ich besser aus. Meistens. ( sie lacht ) Also dann, bis morgen. ( Sie geht. )
GUY: Gute Nacht. ( wie ein Mann, der verliebt ist )
DAFYDD: ( wie ein Mann, der sich mit wichtigeren Dingen beschäftigen muss ) Hören Sie zu, Guy ... noch ein Wort, bevor sie gehen ...
GUY: Ja?
DAFYDD: Dieser Zufall, dass Sie bei BLM arbeiten. Der könnte sehr günstig sein. Die Sache ist die, dass ich im Augenblick einen Klienten habe, der ein Quadratmeter Land kaufen will. Kleinkram. Nichts Wesentliches. Ausgenommen zwei Dinge. Erstens grenzt das Land genau an Ihr Gelände ...
GUY: Ach, Sie meinen, hinter unserem ...
DAFYDD: Ja, der alte Sportplatz. Wurde früher mal als Sportplatz benutzt. Zweitens ... aber das weiß ich nur so vom Hörensagen ... zweitens geht das Gerücht um, dass ihr euch in nächster Zeit vergrößern wollt. Wissen Sie, ob da was Wahres dran ist?
GUY: Nein, weiß ich nicht ... nein, keine Ahnung.
DAFYDD: Es ist nur so ... wenn ihr euch nämlich vergrößern würdet, dann wäre das Land plötzlich ein bisschen was wert. Können Sie mir folgen?
GUY: Ja, natürlich.
DAFYDD: Es hängt natürlich davon ab, wie viele Leute Wind davon kriegen, wenn der Mann, der das Gelände verkaufen will, es nicht weiß, während wir, die wir es kaufen wollen, es wissen ... dann könnten wir ein gutes Geschäft machen. Aber Sie selbst wissen nichts Genaues?
GUY: Nein, es ist, wie ich gesagt habe, mir ist nichts zu Ohren gekommen. Ich könnte fragen ...
DAFYDD: Gut, aber ganz vorsichtig. Wir wollen ja keine schlafenden Hunde wecken, oder? Wenn Sie uns in dieser Sache helfen würden, dann ... dann soll das nicht ihr Schaden sein ... ganz sicher nicht, dann ...
GUY: Oh, das ist nicht nötig ...
DAFYDD: Oh ja, ja, ja. Fair ist fair. Fair ist fair .... Obwohl, wenn wir wirklich fair wären, dann müssten wir eigentlich die Person warnen, die das Land verkaufen will.
GUY: Oh, ich glaube nicht, dass man das so sehen sollte.
DAFYDD: Nein?
DAFYDD: Nein, das muss der Anwalt von dem Burschen tun. Der muss ihn warnen. Nicht ich. Aber, wie dem auch sei, hören Sie sich mal 'n bisschen um. ( er bugsiert GUY in Richtung Ausgangstür )
GUY: Werd ich, ganz bestimmt.
DAFYDD: Aber denken Sie dran, kein Wort darüber.
GUY: Oh ja, natürlich. Also dann, gute Nacht.
DAFYDD: Darauf können Sie wetten. 19 Uhr. Wir werden uns mächtig ins Zeug legen.
( ( GUY geht. DAFYDD steht noch ein bisschen im Türrahmen und genießt die Nachtluft. ) )
DAFYDD: ( ruft ihm hinterher ) Am besten, Sie bringen sich Rollschuhe mit. Ihre DAFYDD steht noch ein bisschen im Türrahmen. Ein Mann, der mit seiner Tagesleistung zufrieden ist. Scheinwerfer auf TED. Nächster Tag, Probe.
( ( TED ist in feinem Abendanzug, das Textbuch in der Hand. ) )
TED: ( als Peachum, singt ) Ein Fuchs mag erwürgen dein Huhn, Sir, die Dirne dein Geld vertun, Sir. Die Tochter erbrechen dein Pult, Sir, dein Weib verstricken in Schuld, Sir, ein Dieb stehl dein Silbergut, ein Dieb stehl dein Silbergut. Mit Huhn, Geld, Pult und Schulden, doch weiß das ganze Land, Sir, des Richters offne Hand, Sir, die raubt dir Gut und Blut, die raubt dir Gut und Blut.
( ( Das Licht erfasst die gesamte Bühne. Auf ihr befinden sich DAFYDD, der in den Zuschauerraum geht, um TED zu beobachten. GUY sitzt in der Seitengasse, in seinen Text vertieft. BRIDGET sitzt mit dem Soufflierbuch da, leicht genervt und gelangweilt. In einer anderen Ecke, abseits, sitzt IAN, der die Abendzeitung liest. Als der Song zu Ende ist, zieht TED sein Textbuch zu Rate, will sich hinsetzen, ändert seine Meinung und geht ab. Währenddessen kommen ENID als Mrs. Peachum und HANNAH als Polly, ebenfalls mit den Textbüchern in der Hand. ) )
HANNAH: ( liest als Polly ) 's war bloß Klemmede. Er hat einen Damastvorhang, einen Reifunterrock, ein paar silberne Leuchter, eine Perücke und einen einzelnen Seidenstrumpf abgeliefert, alles von dem Brand gestern nacht. ( Sie hält inne, wartet darauf, dass TED antwortet. Aber der ist weg. )
DAFYDD: ( schreit ) Weiter, weiter, weiter. Hört um Gottes willen nicht schon wieder auf. Wir hängen. Seit zehn Tagen.
HANNAH: Wir können nicht weiter.
DAFYDD: Wer ist dran, Bridget? Schau in dein Buch, Mädchen. Wer ist denn dran?
BRIDGET: Ted.
DAFYDD: Ted? Na, und wo zum Teufel ist Ted? Er ist gerade eben von der Bühne abgegangen. Wo ist er denn hin?
( ( schreit. TED kommt leicht beunruhigt zurück. ) )
TED: Wolltest du was von mir, Dafydd?
DAFYDD: Ted, mein Lieber, es gibt nicht den allergeringsten Grund, mitten in deiner Szene von der Bühne abzugehen. Oder weißt du einen?
TED: ( zieht wieder sein Buch zu Rate ) Ach. Gehe ich denn nicht ab? Ich dachte, ich würde abgehen.
( ( HANNAH und ENID kommen TED zu Hilfe, zeigen ihm im Buch die richtige Stelle. ) )
HANNAH: Ich glaube, du gehst erst ab, Ted.
ENID: ... d a, Liebling, siehst du. Vorher gehst du nicht ...
TED: Oh. Ich seh's. Da. Ich dachte, es wäre da ...
DAFYDD: ( geht hin und her, mit Ungeduld zu GUY, überlappt TED ) Das ist nicht zu glauben, was? Nicht zu glauben! Wir proben das seit zehn Tagen. Zehn Tage. Und wo sind wir? Auf Seite 15 oder so.
HANNAH: ( zu DAFYDD ) Jetzt haben wir's. Es war ein Irrtum.
TED: Mein Fehler, tut mir leid. Ich hätte nicht abgehen dürfen.
DAFYDD: Also, weißt du, was ich glaube, Ted? Du hast nur das in der Tat umgesetzt, was an dieser Stelle sowieso des Herzenswunsch des gesamten Publikums sein wird ...
TED: ( lacht nervös ) Ja, ja ...
DAFYDD: Wenn es bis dahin noch nicht eingeschlafen ist oder an Altersschwäche gestorben ...
HANNAH: ( warnend ) Dafydd ...
DAFYDD: Übrigens, warum bist du angezogen wie ein Filmproduzent, Ted?
HANNAH: Sie haben doch heute ihren Dinner-Dance, Dafydd. Sie hätten schon vor einer Stunde dort sein sollen.
DAFYDD: Ach, ist das großartig. Meine ganze Probe platzt wegen 'nem dämlichen kalten Buffet bei 'nem Co-op-Betriebsfest.
TED: Keine Eile, Dafydd. Keine Eile. Wir legen gar keinen Wert auf das kalte Buffet.
DAFYDD: In Ordnung. Dann geh'n wir weiter. ( schreit ) Weiter. Weiter ...
HANNAH: ( als Polly ) Einen einzelnen Seidenstrumpf abgeliefert, alles von dem Brand gestern nacht.
TED: ( als Peachum ) Keiner aus der Bande ist fixer und geschickter und staubt bei einem Feuer ...
BRIDGET: Das ist gestrichen.
TED: Bitte?
ENID: Ich glaube, das haben wir gestrichen, Liebling ...
DAFYDD: ( stürmt auf die Bühne ) Ted, das ist gestrichen. Das wurde vor zwei Tagen gestrichen.
TED: Tut mir leid. Ich habe es nicht ge ...
DAFYDD: Du hast überhaupt nichts, Ted. Du hast keinen Funken Begabung, du hast keinen Funken Intelligenz, du hast keinen Funken künstlerisches Feingefühl und - das Allerwichtigste - du hast nicht einmal einen verdammten Bleistift.
HANNAH: Da ... Dafydd ...
DAFYDD: ( entwindet TED das Buch ) Das ist gestrichen ... ( zeigt mit dem Finger auf die Seite ) das ist gestrichen, und das ist gestrichen. Und das ganze - ( er kämpft mit dem Buch ) verblödete Ding ist gestrichen.
( ( DAFYDD reißt TEDs Manuskript in Stücke. TED steht zerschmettert da, öffnet den Mund, um zu antworten, kann es nicht. Er geht schnell ab. Es ist zu vermuten, dass er den Tränen nahe ist. ) )
ENID: Oh Dafydd ... du bist wirklich manchmal ... du bist wirklich ... Das war nicht nötig.
( ( ENID folgt TED. DAFYDD sieht sich nach neuen Verbündeten um. ) )
HANNAH: ( leise ) Das war unverzeihlich, Dafydd, Ted gegenüber, vor allen Leuten. Ganz und gar unverzeihlich. ( Sie hebt das zerrissene Buch auf und schreit ärgerlich. ) Und diese Textbücher müssen zurückgegeben werden. Ich hoffe, du bist dir darüber im Klaren, ja?
( ( HANNAH folgt TED und ENID und geht ab. ) )
DAFYDD: ( auf der Suche nach neuen Verbündeten, zu GUY ) Lieber, alter Guy, lieber, alter Guy. Du sitzt da und versuchst, was dabei zu lernen, stimmt's?
GUY: ( lächelt ) Ja. Ja.
DAFYDD: Ich fürchte, das nennt man das Amateursyndrom, Guy. Wenn es hart auf hart kommt, dann halten sie die Belastung nicht aus, verstehst du? Sie wollen weg zu ihrem Dinner-Dance. Mein Gott, manchmal gibt's Zeiten, wo ich mir beinahe wünsche, wieder in Minehead zu sein.
GUY: Ich würde dich gerne was fragen - wenn du eine Minute Zeit hättest, würde ich dich gerne was zu Hakenfinger Jack fragen ...
DAFYDD: Zu was?
GUY: Meine Rolle. Hakenfinger Jack ...
DAFYDD: Oh, Hakenfinger Jack. Ja, was ist mit dem?
GUY: Ich meine nur ... ich hab in den letzten Tagen viel darüber nachgedacht, weißt du. Darum möchte ich gern wissen, ob du ihn mit einem Finger haben willst.
DAFYDD: Einem was?
GUY: Einem Finger. ( er hält die Hand hoch, zeigt DAFYDD einen gekrümmten Finger ) Ungefähr so. ( Pause. Er bietet DAFYDD noch andere Varianten an. ) Wie willst du es haben?
DAFYDD: ( war mit den Gedanken ganz woanders ) Ja. Meinst du nicht, das hätte noch ein, zwei Tage Zeit, Guy, alter Junge. Ich hab noch ein oder zwei dringendere Probleme
GUY: Oh ja, ja. Selbstverständlich. Entschuldigung.
BRIDGET: Ich werd jetzt mal Tee machen. ( Sie steht langsam auf. )
DAFYDD: Wunderbar, meine Liebe, hervorragend ...
( ( REBECCA und FAY treten auf, gefolgt von LINDA. Alle haben Mäntel an. BRIDGET geht hinaus. ) )
REBECCA: Dafydd, wir kommen als Abordnung zu dir. Geschlagene zwei Wochen hocken wir jetzt hinter der Bühne in dieser grässlichen, stinkenden, kleinen Küche ...
DAFYDD: Schon gut, schon gut, schon gut. Fangt ihr nicht auch noch an.
REBECCA: Wir sind bestimmt nicht unverschämt, Dafydd. Wir wollen nur wissen, ob du uns heute abend noch brauchst oder nicht. Wenn nicht, ist es gut. Einige von uns haben nämlich ein hübsches, gemütliches Zuhause, wo sie dann lieber wären ...
DAFYDD: Geht doch, geht doch, geht nach Hause. Verschwindet alle miteinander.
( ( Die Stimmung ist eisig. ) )
REBECCA: Also bitte, ich bleibe ganz bestimmt nicht hier, so nicht. Ich mag nicht, wenn man mit mir in diesem Ton spricht.
DAFYDD: Dann tschüss.
REBECCA: Und außerdem werde ich die ganze Geschichte dem Komitee vortragen. Bist du dir im klaren darüber, dass Ted Washbrook da draußen den Tränen nahe ist?
DAFYDD: Ich auch ...
REBECCA: ( zu FAY ) Kommst du mit, Fay?
FAY: Es gibt keinen Grund für mich hierzu bleiben, oder?
( ( REBECCA rauscht hinaus. FAY will ihr folgen. GUY beobachtet sie. FAY spricht zu IAN und meint GUY. ) )
FAY: Wir gehen noch rüber, ja?
IAN: Gut. ( Er faltet seine Zeitung zusammen. )
FAY: ( zu GUY, als sie merkt, dass sie ihn beobachtet, strahlend ) Kommen Sie noch mit auf einen Drink?
GUY: Vielleicht. Nur noch eine Minute.
FAY: Gut. Dann bis gleich. ( FAY geht hinter REBECCA ab. LINDA trödelt hinterher. BRIDGET kommt mit einem Kännchen Milch. )
DAFYDD: Linda, weißt du, ob Crispin zufällig irgendwo in der Nähe ist?
LINDA: Ich weiß nicht, wo er ist. Warum sollte ich?
LINDA: Nein, ich habe ihn nicht gesehen, und ich habe auch nicht das geringste Bedürfnis, ihn zu sehen. Danke bestens. ( sie zeigt auf BRIDGET ) Ich würde sie mal fragen.
DAFYDD: Oh Gott. ( zu BRIDGET ) Weißt du, wo er ist?
BRIDGET: Wahrscheinlich dort, wo ich ihn verlassen habe.
DAFYDD: Und wo ist das?
BRIDGET: In meinem Bett. Er schlief.
DAFYDD: Na ja, hast du ihn nicht gesehen?
( ( LINDA geht wütend ab. BRIDGET geht auch an TED und ENID vorbei, die nun beide ihre Mäntel anhaben und über die Bühne nach draußen wollen. Beide sehen verweint aus und schniefen leise. DAFYDD beobachtet sie. ) )
DAFYDD: ( ziemlich kleinlaut ) Gute Nacht ... Kinder. Macht euch einen tollen Abend ... Ja, macht euch den. ( nachdem sie gegangen sind ) Oh Gott. ( Er setzt sich, gleich darauf kommt HANNAH zurück. )
HANNAH: Ich habe den Washbrooks gesagt, sie könnten gehen. Telefon für dich hinter der Bühne. Dr. Packer. Er sagt, es wäre dringend.
DAFYDD: Noch mehr Probleme ... noch mehr Probleme ...
( ( DAFYDD geht. HANNAH fängt einen kurzen Blick von GUY auf und lächelt. IAN bemerkt den Blick. HANNAH geht zu DAFYDD hinterher. IAN bewegt sich auf die Tür zu. ) )
IAN: Na gut. Nach dieser überaus anstrengenden Arbeit heute abend brauche ich jetzt eine Erfrischung. ( zu GUY ) Kommen Sie mit?
GUY: Ich wollte meine Rolle noch ein bisschen durchgehen. Ich hab da so ein paar Ideen, die ich gern ausprobieren möchte ...
IAN: ( trocken ) Na ja, passen Sie nur auf, dass Sie sich dabei nicht überanstrengen, he? Wir haben noch zwei Monate Zeit. ( Er will gehen, GUY ruft ihn zurück. )
GUY: Schauen Sie mal ... ( Er führt IAN seine Hakenfinger Jack-Pose vor. ) Finden Sie das zu übertrieben? Hakenfinger Jack ...
IAN: Bei Dafydd kann man gar nicht genug übertreiben. Haben Sie sein 'Sound of Music' gesehen?
GUY: Nein.
IAN: Da mussten sie alle auf einem Trampolin rumspringen.
GUY: Du meine Güte!
IAN: Ich kann Ihnen sagen, ein einziger blutiger Haufen. Das Publikum in den ersten Reihen auch. Als sie nämlich erst mal ihre Kostüme anhatten, da konnten sie sich überhaupt nicht mehr ausbalancieren. Kreischende Nonnen krachten auf die Rampe. Drei gebrochene Beine und eine Gehirnerschütterung. Wahrscheinlich hängen immer noch ein paar auf dem Schnürboden rum.
GUY: ( der nicht genau weiß, ob er das glauben soll ) Tja, ich glaube, ich versuch's mal ohne den Finger. So mal für den Anfang.
IAN: Ach, übrigens ...?
GUY: Hm?
IAN: Wir würden Sie gern mal abends einladen. Zu uns nach Hause.
GUY: Oh, das ist sehr nett. Danke.
IAN: Ich weiß nicht, ob Sie irgend jemanden haben, den Sie mitbringen möchten. Ich habe gehört, Sie sind nicht mehr verheiratet ...
GUY: Nein, meine Frau ist ...
IAN: Ja. Gut. Aber wahrscheinlich sind Sie doch mit irgend jemandem befreundet. Oder so was ähnliches.
GUY: Ja, da ließe sich schon jemand finden. Ja.
IAN: ( lächelnd ) Weiblich natürlich.
GUY: Oh ja. Natürlich. Ich möchte Ihre Tischordnung nicht durcheinander bringen.
IAN: Nein, nein. ( Pause, nicht sicher, ob GUY richtig verstanden hat. ) Die Sache ist die, Fay und ich, wir ... Na ja, Sie haben sicher schon bemerkt, dass sie sehr ... kontaktfreudig ist.
GUY: Ja.
IAN: Und sie lernt gern neue Menschen kennen. Unentwegt. Und ich, offengestanden, auch. Aber alles muss immer schön aufhören. Wenn Sie verstehen, was ich meine.
GUY: ( der nichts versteht ) Natürlich, das ist fabelhaft. Wann soll ich denn kommen?
IAN: Würde es Ihnen Freitag passen?
GUY: Freitag, ja.
IAN: Dann können wir uns ein bisschen amüsieren. ( Er lacht. )
GUY: Fabelhaft.
IAN: ( mit erhobenem Zeigefinger ) Nicht die Freundin vergessen.
GUY: Werd ich nicht.
IAN: ( als er hinausgeht ) Und gelegentlich müssen wir uns mal über Ihren Beruf unterhalten. Der interessiert mich sehr. ( Er geht ab. )
GUY: ( überrascht ) Wirklich? ( bemerkt, dass er allein ist und probt weiter als Jack ) Wo fände ich ein zweites Mal ... ( er versucht es noch einmal ) Wo fände man ein zweites Mal eine solche Schar erfahrener Lebenskünstler, die bis auf den letzten Mann den Tod verachten. Ha! Ha! Ho!
( ( Er versucht es erneut. JARVIS, auf dem Weg nach Hause, ist von hinten aufgetreten. Er beobachtet GUY. GUY bricht ziemlich verlegen ab, als er JARVIS bemerkt. ) )
JARVIS: Hey, mein Allerwertester! So was sehe ich gerne. Einen Mann, der sein Handwerk lernt. Wenn Sie es interessiert, erzähl ich Ihnen eine Geschichte. Als ich in unserer Firma als Lehrjunge angefangen habe ... ich war zwar der Sohn vom Chef, aber ich musste trotzdem unten im Lager anfangen. Da sagte der Vorarbeiter zu mir, es war ein großer, starker Kerl, feg mir mal den Fussboden tadellos sauber. Tadellos, mein Junge, ich möchte von diesem Fussboden essen können. Verstanden? Na ja, ich habe ihn so halbwegs sauber gefegt, verstehen Sie? Und als er zurückkam, hat er gesagt: "Was soll denn das sein?" Und er bückt sich und hebt eine Handvoll Sägespäne auf. Hatte ich unter 'ne Bank gekehrt. Und sagt: "Erwartest du etwa, dass ich von diesem Fussboden mein Mittagessen esse?" Sagt er. Und dann sagt er: "Ich möchte gerne sehen, wie du das machst, mein Junge." Und ich musste mich setzen, und er holt so'n Plastikteller und so'n Löffel von irgendwelchem Regal, und ich musste die ganzen Sägespäne aufessen. So wie sie waren. Ganz und gar.
GUY: Du lieber Gott.
JARVIS: Nichts dazu. Keine Milch, keinen Zucker. Rohe Sägespäne. Geschlagene drei Monate ging das so. Dass ich der Sohn vom Chef war, das spielte gar keine Rolle. Diese Kerle da unten im Lager, die haben mir mein Handwerk auf die harte Tour beigebracht. Die haben mich mit Sägespänen genudelt.
GUY: Ganz schön brutal.
JARVIS: Das kann man wohl sagen. Aber dann hatte mein Vater seinen Schlaganfall, und ich übernahm die Firma. Das erste, was ich machte, ich ging zu denen runter und habe jeden einzelnen von diesen verdammten Kerlen entlassen. Aber mir kann keiner mehr was vormachen. Dafür bin ich denen dankbar.
GUY: Das ist prima.
JARVIS: Denken Sie dran. Arbeiten Sie an Ihren Gesten. Die hatten alle große Gesten damals, wissen Sie.
GUY: Das mache ich, das mache ich.
JARVIS: Und noch etwas, sprechen Sie nicht so unnatürlich. Sprechen Sie den Schnabel gewachsen ist, das mach ich auch. Außerdem könnte er doch durchaus Schotte sein, dieser Hakenfinger Jack - könnt er doch sein, oder? ( JARVIS geht ab. GUY probt seine Rolle weiter mit großen Gesten, ist aber nicht ganz ernst dabei. HANNAH tritt auf mit zwei Tassen Tee und bekommt noch etwas von seiner Darbietung mit. )
HANNAH: Hier ist Tee für Sie.
GUY: Oh, danke schön.
HANNAH: Dafydd telefoniert. Noch eine Katastrophe, glaube ich.
GUY: Ach ja.
HANNAH: Sie ... äh, äh ... Wollen Sie ihn so spielen? Mit diesen Riesenbewegungen?
GUY: Nein, nein, das war nur ein ... Experiment.
HANNAH: Ach so. Es ist nur, weil, gestern, da waren Sie wirklich nahe dran. Als Sie so gehinkt haben. Also nur so'n bisschen.
GUY: Ja. Vielleicht behalte ich das bei. Ich glaub, wenn man so lange warten muss, bis man dran ist, das macht einen ... ganz unsicher ...
HANNAH: Ja. Aber irgendwann sind Sie dran.
GUY: Oh ja, sicher.
HANNAH: ( mehr zu sich selbst ) Gott allein weiß, wann, das ist auch sicher. ( sie holt ihr Buch hervor ) Sagen Sie, würde es Ihnen etwas ausmachen, mich noch einmal abzuhören, von da oben auf der Seite?
GUY: Gerne.
HANNAH: ( als Polly ) Und bist du mir so gut wie je, mein Liebster? Zweifle an meiner Ehre, meinem Mut, zweifle woran immer du willst, aber nicht an meiner Liebe! Meine Pistolen sollen versagen, und meine Stute soll sich den Hals brechen, während ich meinen Verfolgern zu entfliehen versuche, wenn ich dich je verlasse.
GUY: ( liest als Macheath ) Aber nein, mein Liebster, ich habe keinen Grund, an dir zu zweifeln, denn aus dem Liebesroman, den ich von deiner Hand erhielt ... ( Sie zögert. GUY nickt ermutigend. ) ... den ich von deiner Hand erhielt, den ich von deiner Hand erhielt ... ( Sie zögern. GUY lächelt sie an. GUY lächelt sie an. DAFYDD kommt herein. Mit gesenktem Kopf. HANNAH und GUY versuchen, ihre Aufmerksamkeit von ihm abzulenken. )
DAFYDD: ( beim Hereinkommen ) Das war Enid. Als sie nach Hause kamen, hat Dr. Packer mir gerade am Telefon mitgeteilt, dass er - vor der Alternative gestellt, entweder die gesamte Krankenhausordnung neu zu gestalten oder die Rolle des Münz-Mathias niederzulegen - sich schweren Herzens für das letztere entschieden hat. Blieb ihm gar nichts anderes übrig. Jetzt steh'n wir wieder mal ganz schön mit'm nackten Hintern im Tor, wie mein Vater zu sagen pflegte.
HANNAH: Und was machst du nun?
DAFYDD: Woher soll ich das wissen, verflixt nochmal.
HANNAH: ( leise, nickt in GUYs Richtung ) Guy ...
DAFYDD: ( halblaut ) Was?
HANNAH: Guy.
DAFYDD: Guy?
HANNAH: Ja.
DAFYDD: Meinst du wirklich?
HANNAH: Na klar!
( ( DAFYDD dreht sich GUY zu, streckt ihm eine Hand entgegen. ) )
DAFYDD: Guy ... GUY: Ja? DAFYDD: Ich glaube, du musst die Rolle des Retters in der Not übernehmen. Kannst du ihn spielen? Den Münz-Mathias?
GUY: Oh. DAFYDD: Für mich? Für uns alle.
GUY: Na ja. Ich will's versuchen.
DAFYDD: Ich dank dir. Ich dank dir.
HANNAH: Toll.
DAFYDD: ( strahlend ) Glänzend. Das müssen wir feiern. Was meinst du dazu?
GUY: Aber ja, warum nicht.
DAFYDD: Ich hol die anderen. Ich hole die anderen rein. ( er geht auf die Tür zu ) Aber morgen wird gearbeitet, denk daran ...
GUY: Ääh ...
DAFYDD: Ja?
GUY: Was wird mit Hakenfinger Jack?
DAFYDD: Was soll aus ihm werden?
GUY: Nur weil ich ihn gerade gelernt habe. Ich möchte bloß wissen ...
DAFYDD: Vergiss den Hakenfinger Jack, mein Junge. Du bist jetzt der Münz-Mathias. Du bist ein Star. Beinahe!
( ( DAFYDD geht. ) )
HANNAH: Ich freu mich ja so für dich. Gut gemacht! ( Sie küsst ihn impulsiv. Der Kuss wird viel intensiver, als beide es vorhatten. Schließlich lässt GUY HANNAH los. Er geht zur Tür, dreht sich noch einmal zu ihm um. Dann geht er ohne jedes weitere Wort ab. Dabei hört man die Einleitung für den nächsten Song. Licht auf ENID und HANNAH. )
ENID: ( singt als Mrs. Peachum ) Oh Polly, du magst zärtlich sein, den Mann hält man fest, hält man ihn fern, und er entzückt mich, was ich tat, tatst du auch gern.
HANNAH: ( singt als Polly ) Doch er berückt mich, und er entzückt dich mich, was du tatst tat ich auch gern.
ENID und HANNAH: ( zusammen ) Doch er berückt ) dich ) mich. Und er entzückt ) dich ) mich. Was du ) tat ) tatst ) tat ich auch gern. ( Wieder schneller Lichtwechsel, und wir befinden uns jetzt in FAYs Wohnzimmer. )
FAYs Wohnzimmer
FAYs Wohnzimmer. Sie ist umwerfend angezogen. In der Hand hält sie zwei exotische Drinks.
FAY: ( ruft ) Hier herein.
GUY: ( off ) Jaa.
FAY: ( ruft ) Kommen Sie zurecht? Der Lichtschalter ist innen. ( Sie lauscht. Hört nichts. Nimmt an, alles ist in Ordnung. Sie stellt die Drinks auf den Tisch und überprüft im Spiegel noch einmal ihr makelloses Aussehen. GUY kommt herein. )
GUY: Entschuldigung. Da bin ich.
FAY: ( zeigt auf die Drinks ) Bedienen Sie sich.
GUY: Danke schön. ( Er nimmt sich einen Drink. )
FAY: Sagen Sie, wenn er zu stark ist, ja? Ich weiß das nie.
GUY: ( will trinken ) Nein, ich bin sicher, er ist absolut ... ( Er trinkt, erstickt fast daran, beherrscht sich aber ) ... der ist ... tadellos, ja.
FAY: Ian ist kurz abgeschwirrt. Besorgt noch ein bisschen mehr Tequila. Ich fürchte, wir sind ganz süchtig danach, neuerdings.
GUY: Oh ja?
FAY: Waren Sie schon mal da?
GUY: Bitte?
FAY: Mexiko?
GUY: Nein. Nein. Mexiko nicht ...
FAY: Sagenhaft. Zum Teil. Wenn man einen großen Bogen um die Armut macht.
GUY: Ah.
FAY: So. Sie sind der Erste.
GUY: ( sieht sich um ) Ja. Sieht so aus.
FAY: Mir ist es recht so, irgendwie.
GUY: Ja?
FAY: Ich hab Sie. ( Sie lacht )
GUY: Ja, ja. ( Pause ) Dann muss es mir wohl auch recht sein. ( Er lacht )
FAY: ( lacht mit ihm ) Das stimmt ... ja. ( Pause )
GUY: ( zeigt auf die Wände ) Nette Bilder.
FAY: ( vage ) Wir finden sie ganz anregend.
GUY: Ja. Die geht aber ganz schön ran ... die da oben, was?
FAY: Ja. Und was halten Sie von dem hinter Ihnen?
GUY: ( dreht sich im Sessel um, sprachlos ) Oh ... mein Gott. Ja! ( betrachtet das Bild ) Mein Gott!
FAY: Wir müssen sie abhängen, wenn Ians Mutter zu Besuch kommt.
GUY: Ja, ich kann mir vorstellen, dass sie vielleicht ...
FAY: Warten Sie erst mal ab, was wir im Schlafzimmer haben. ( Sie lacht )
GUY: ( lacht, ganz durcheinander ) Ja. Wow. Ja. ( Pause ) Sie sehen sehr hübsch aus.
FAY: Danke. Du auch.
GUY: ( richtet seine Krawatte ) Ah.
FAY: Möchtest du das abnehmen?
GUY: Nein, nein. Nein. Das ist okay.
FAY: Ich liebe Männer mit Krawatten ...
GUY: Oh ja? ( Pause ) Dann würden Sie ... Dann würdest du dich in unserem Büro wohlfühlen. Da wimmelt es nur so davon. ( Pause )
FAY: Hör mal. Ich möchte das von vornherein klarstellen. Dann können wir relaxen und unseren Spaß miteinander haben. Wenn du irgendwas ganz besonders gern hast oder ganz und gar nicht ausstehen kannst, dann musst du es sagen, ja?
GUY: Oh, nein, nein. Ich bin überhaupt nicht wählerisch, war ich nie. Was auf den Tisch kommt, wird gegessen.
FAY: Also, wegen mir musst du dir keine Sorgen machen, weißt du ... ich bin für alles zu haben ... ich glaub nicht, dass es irgendwas gibt ... ich mein, da gibt es überhaupt nichts, was ich nicht ... ausgenommen, es ist besonders grausam oder schmerzhaft ... da steig ich aus.
GUY: Oh, ja, ja. ( er denkt nach ) Du meinst, Kalb zum Beispiel.
FAY: Kalb.
GUY: Kalb, du weißt doch, was ...
FAY: Nein. Das hab ich noch nie versucht, glaub ich.
GUY: Noch nie?
FAY: Nein. Das ist was Neues. Wie aufregend. Wie buchstabiert man das?
GUY: Hmm, hmm ... K - a - l - b ...
FAY: Ach, du meinst, wie das Fleisch? Und was soll das heißen?
GUY: Keine Ahnung. ( nachdem sie etwas überlegt hat ) Köstlich - angstlösend - Lustgefühl bereitend. ( sie lacht ) Nein?
FAY: ( wieder überlegt sie ) Kreischendes - Aufbäumen lustvoller Bläser. ( Sie lachen beide )
GUY: Kandierter - Affenpopo - liebevoll bereitet. (2. Fassung: Kotzen - am - laufenden - Band.) ( FAY kreischt vor Lachen )
FAY: ( erholt sich, sieht auf ihre Uhr ) Deine Freundin kommt spät ...
GUY: Ja. Wirklich. Langsam mache ich mir Sorgen. Ich wollte sie ja eigentlich im Auto mitnehmen, aber sie ist sehr selbständig und geht gern ihre eigenen Wege.
FAY: Warum auch nicht.
GUY: Genau.
FAY: Hat sie es weit?
GUY: Nein, nur ein paar Haltestellen mit dem Bus vom Sunshine-Haus.
FAY: Oh ja. Kenne ich. In der Nähe vom Park?
GUY: Genau.
FAY: Sunshine-Haus. Ist das nicht ein Altersheim?
GUY: Stimmt.
FAY: Oh, ich verstehe. Sie arbeitet da, was? Als Schwester?
GUY: Nein, nein. Sie wohnt da.
FAY: Wohnt da?
GUY: Ja. Also - na ja, das ist ein bisschen kompliziert. Sie ist eine stolze, alte Seele von Mensch, und keiner soll wissen, dass sie im Sunshine-Haus wohnt. Darum wäre es sehr nett, wenn du es nicht erwähnen würdest, ja? Du weißt ja, wie sie sind in diesem Alter ...
FAY: Wie alt?
GUY: Na ja, man merkt es ihr nicht an, aber ich schätze sie so auf Anfang siebzig.
FAY: Siebzig?
GUY: Aber das glaubst du nicht. Sie schafft die Treppen noch rauf und runter wie nichts. Sie hat meine Frau lange gepflegt. Dafür bin ich ihr ewig dankbar ... ( Er bricht ab, FAY weint vor Lachen. ) Geht's dir gut?
FAY: Ja, ja ... ( kriegt sich wieder ein ) Und sie kommt hierher? Heute abend?
GUY: Na ja, ich hoffe es jedenfalls. ( FAY wirft sich auf das Sofa zurück und strampelt mit den Beinen. )
FAY: Ians Gesicht möchte ich sehen, ich kann's kaum erwarten.
GUY: Ian?
FAY: Großer Gott, ist das herrlich ... Ich liebe dich. Ich liebe dich.
GUY: Wegen der Bilder brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Sie ist sehr tolerant. Ein lustiger alter Vogel ... sie ist wirklich. Du wirst sie mögen.
FAY: ( fasst sich wieder ) Da bin ich sicher. Da bin ich sicher.
GUY: ( etwas im Zweifel ) Ich hoffe, Ian kommt mit ihr zurecht, aber ... ( Darüber muss FAY wieder lachen. ) ( durcheinander ) Entschuldige bitte, ich verstehe nicht ganz, was das alles ... ich ...
FAY: ( setzt sich plötzlich auf und lauscht ) Psst. Er kommt zurück. Hör zu. Sag ihm nichts von deiner Freundin. Sie soll eine Überraschung werden.
GUY: Überraschung?
FAY: Bitte.
GUY: Also gut - warum?
( ( IAN tritt auf und schwenkt eine Flasche Tequila. ) )
IAN: Wir wohnen am Arsch der Welt. Fünf Meilen musste ich deswegen fahren. Hallo, Guy. Hallo, mein Püppchen. Machst du uns einen ...?
FAY: Klar. ( sie nimmt die Flasche ) Guy? Noch einen?
GUY: Gern, aber wenn er vielleicht nicht ganz so ...
FAY: Klar. ( Sie nimmt die beiden Gläser )
IAN: Sag mal, wo bleibt denn deine Freundin?
GUY: ( mit einem Blick zu FAY ) Sie ... sie ... sie ... sie. Sie kommt gleich.
( ( FAY lacht unterdrückt auf. ) )
IAN: Was ist daran so komisch?
FAY: Nichts. Nichts.
IAN: Es kommt irgendwer anderes, stimmt's?
FAY: ( geht hinaus ) Oh. Ja. Ganz sicher kommt irgendwer anderes ... ( FAY ist abgegangen, ihr Lachen hallt durch den Flur. )
IAN: Wieviel hat sie schon intus?
GUY: Keine Ahnung.
IAN: ( macht es sich bequem ) Magst du die Bilder?
GUY: Ja, ich hab sie schon bewundert. Verblüffend.
IAN: ( zeigt auf ein bestimmtes Bild ) Das kann Fay auch. Denk doch mal.
GUY: ( ungläubig ) Kann sie das? Wirklich erstaunlich.
IAN: Von den Frauen, die ich kenne, ist sie eine der wenigen, die das können. Du musst sie dazu bringen, dass sie es dir zeigt. ( mit Schwung ) Also, bevor es hier gleich rund geht und alles außer Kontrolle gerät, könnte ich vielleicht diese kleine geschäftliche Angelegenheit mit dir regeln?
GUY: Natürlich, natürlich.
IAN: Ich will nicht um den heißen Brei herumreden. Meine Partner und ich, wir führen ein kleines Bauunternehmen, wie du vielleicht weißt. Und jetzt überlegen wir uns, ob wir ein Stückchen Land kaufen sollen, das zufällig an eure Firma grenzt.
GUY: Ja, ich weiß, welches du meinst. Es ist ...
IAN: Gut. Also, es gibt da so ein Gerücht - ( lacht ) wo gibt's keine Gerüchte? - so ein Gerücht, dass BLM sich vielleicht vergrößern will. Wenn das so ist, bekommt das fragliche Land natürlich ein bisschen mehr Wert. Kannst du folgen?
GUY: Ja. Die Sache ist die ...
IAN: Ich will nur wissen - stimmt das Gerücht?
GUY: Also - ich kann dir nur dieselbe Antwort geben, die ich schon Dafydd gegeben habe. Ich hab wirklich keine Ahnung, aber ich will versuchen, es rauszukriegen. Bisher hatte ich allerdings noch kein Glück.
IAN: ( etwas scharf ) Dafydd?
GUY: Ja. Ich dachte, er handelt in deinem Auftrag?
IAN: Ja, ja. Vielleicht ist er das. ( Kleine Pause ) Versteh mich bitte nicht falsch, aber es könnte für dich dabei was rausspringen. Ich glaube, ich spreche da auch in Fays Namen, wenn ich sage, wir beide könnten ... ( Es klingelt ) Aha, das ist bestimmt deine Freundin. ( schreit ) Es hat geklingelt, Püppchen. ( zu GUY ) Ist wohl eine von der Sorte, die einen gern warten lässt, was? ( Er grinst )
GUY: Na ja, nicht, wenn sie es vermeiden kann. Vielleicht ist sie gestürzt, wer weiß ...
IAN: Gestürzt? Wieso? Kommt sie auf Schlittschuhen?
( ( FAY kommt mit den Drinks. ) )
IAN: Wo ist sie denn?
FAY: Du musst öffnen.
IAN: Warum?
FAY: Darum ...
IAN: Oh, na schön. ( Er geht zur Tür )
FAY: ( gibt ihm sein gefülltes Glas ) Hier.
IAN: ( nimmt es ) Danke. ( Er geht hinaus )
FAY: ( ruft ihm nach ) Besser, du trinkst vorher einen Schluck. ( zu GUY ) Schnell, schnell ... ( zieht ihn zum Fenster ) Hier. Schau doch mal! Ist das deine Freundin? Mein Gott, das muss sie sein. ( Sie kichert )
GUY: Ja. Das ist Dilys. Sie sieht etwas ramponiert aus. Ich hoffe, mit ihr ist alles in Ordnung.
FAY: Los. Schnell ... ( sie zieht ihn zur Tür ) Nimm dein Glas.
GUY: Warum, wohin ...?
FAY: Ins Heiabettchen ...
GUY: Pardon?
FAY: Ich hab auf einmal unheimlichen Appetit auf Kalb.
GUY: ( während sie ihn rauszerrt ) Kalb? Was denn, im Bett ...? ( Während sie verschwinden, hört man die Stimme von IAN auf dem Flur. )
IAN: ( off ) Ja. Hmm, vielleicht möchten Sie erst ins Badezimmer, sich ein bisschen frisch machen. ( Er kommt ins Zimmer und spricht zu jemandem hinter sich. ) Der Schalter ist innen. Kommen Sie zurecht? Ja, so ist es. Gut gemacht. ( Er steht in der Tür, den Drink in der Hand, völlig perplex. ) Verdammte Scheiße! ( Er kippt sein Glas in einem Zug hinunter. )
Straße und Probenabschluss
( ( Das Licht geht langsam aus. Ein Stück mondbeschienene Straße wird sichtbar. GUY, total betrunken, tritt schwankend auf. Unter einer Laterne bleibt er stehen. ) )
GUY: ( brüllt in die Nacht ) Fürchtet euch nicht, gute Bürger, die ihr jetzt schlaft. Der Münz-Mathias ist da. Der Straßenräuber mit dem Loch in der Brust, der Straßenräuber kann kaum noch gehen. Münz-Mathias K.A.L.B.: Kühnes - akrobatisches - Liebes - Bübchen ... ( Er fängt an zu singen. Zuerst noch betrunken und ohne Begleitung. Dann verändert sich die Szene und GUYs Gesang wird Teil der Probe, zusammen mit TED, CRISPIN und JARVIS. MR. AMES begleitet. DAFYDD schaut zu. )
GUY: ( singt als Mathias ) Auf zur Straßenschlacht! Kutschen rollen in der Runde, ha, jetzt naht die Kampfesstunde! Ladet, Jungens, mit Bedacht! Kugeln, seid uns hold! Was die Alchimisten nie vollbringen, unser Feuer wird's erzwingen: Macht all unser Blei zu Gold. Hurrah, hurrah, hurrah!
( ( TED, CRISPIN und JARVIS und vielleicht MR. AMES fallen in den Refrain ein. Prosten sich mit ihren Papiermachekügen zu. BRIDGET sitzt wieder am Soufflierisch. ) )
DAFYDD: Fabelhaft. Bravo! Ihr wart alle sehr gut. Danke. Kurze Pause, und dann machen wir mit Macheath und den Damen weiter. Guy, könnte ich dich bitte einen Moment sprechen? ( TED, CRISPIN und JARVIS wollen hinter die Bühne gehen. ) Nein, nein, Crispin, geh nicht weg, mein Junge. Ich brauch dich gleich.
( ( CRISPIN wartet, TED und JARVIS gehen. ) )
DAFYDD: ( zu GUY ) Dieser Junge ist wie ein Tier. Kaum hat man gesagt, es ist Kaffeepause, schon lässt er seine Hosen runter. Er hat beide Mädchen fest an der Leine. Verstehst du? Linda und Bridget. Ich finde das uns gegenüber nicht fair ... ( Er lacht, GUY ringt sich ein Lächeln ab. ) Also. Nur 'ne Kleinigkeit, Guy. Fay hat gerade mit mir gesprochen. Und ... na ja, es ist wegen Ian. Fay und er sind auf einmal beide der Meinung, dass Ian die Rolle nicht spielen kann. Jetzt stehen wir ohne Filch da. Das ist ein echtes Problem.
DAFYDD: Weil das wirklich eine große Rolle ist. So. Ich glaube, du weißt, was auf dich zukommt, Guy. Was meinst du dazu? Filch. Meinst du, du könntest ihn spielen?
( ( Von BRIDGET beobachtet, versammeln sich langsam die Frauen auf der anderen Seite der Bühne. Es sind REBECCA, FAY, HANNAH, ENID und LINDA. ) )
GUY: Na ja ...
DAFYDD: Verstehst du, vor einem Monat hätte ich mir nicht im Traum vorstellen können, dass ich dich damit besetzen würde. Aber in letzter Zeit ... Du hast 'ne Menge dazugelernt ... Du kriegst von Tag zu Tag mehr Selbstvertrauen. Sagst du zu?
GUY: Also gut.
DAFYDD: Guter Junge. ( Er schüttelt GUY die Hand )
GUY: Und - ich danke dir.
DAFYDD: Mir musst du nicht danken. Sondern Fay. Sie hat dich sofort vorgeschlagen. Und ich habe natürlich zugestimmt. ( er wendet sich an alle ) Meine Damen und Herren, ich möchte jetzt gern den Tanz probieren bitte ... Nehmen Sie Ihre Positionen ein. Aber bevor wir anfangen, habe ich euch unglücklicherweise eine weitere Umbesetzung anzukündigen. Es ließ sich nicht vermeiden, dass Ian Hubbard die große Rolle des Filch niederlegen musste, und sein Part wird jetzt von unserem Mädchen für alles übernommen von Mr. Guy Jones. ( Alle Frauen applaudieren )
REBECCA: Hab ich gleich gesagt, das hätte er von Anfang an spielen sollen.
DAFYDD: Das Gerücht, dass er, wenn er so weitermacht, eure Rollen übernehmen wird, ist natürlich erstunken und erlogen. ( Er lacht. Ein paar tauschen Blicke aus. REBECCA schaut zu HANNAH, die schaut weg, dann zu ENID, die GUY ansieht, der seinerseits wegschaut. ) Jetzt aber los! Bitte, bitte, Mr. Ames. ( Ein Tanz. Die Frauen paradieren um CRISPIN als Macheath herum. )
DIE FRAUEN: ( singen ) Jugend ist die Zeit zur Lust,
CRISPIN: ( singt als Macheath ) Pflicht ist't, dann zu lieben,
DIE FRAUEN: Nur wem dieses wohlbewusst,
CRISPIN: ( singt als Macheath ) Wird sie richtig üben.
DIE FRAUEN: Froh euch dreht, so lang es geht, Schönheit, der Blüte gleich, welkt und vergeht. Jugend ist die Zeit und Trinkt und spielt und seid vergnügt,
CRISPIN: ( als Macheath ) Denket nicht an morgen.
DIE FRAUEN: Lieb und Jugend bald verfliegt,
CRISPIN: ( als Macheath ) Alter bringt nur Sorgen.
DIE FRAUEN: Singt, denn die Zeit, Flüchtig einteilt, Frühling nur einmal im Leben weilt. Trinkt und spielt und etc.
DAFYDD: ( feuert sie an ) Los, los, meine Damen, geht ran, geht ran ... Denkt dran, das sind alles Kupplerinnen und Huren. Damen vom horizontalen Gewerbe. Alle miteinander ...
REBECCA: ( leise, aber hörbar ) Ein paar von uns ganz sicher ...
DAFYDD: Na los, Linda, tanz dich, geh ran, verkauf dich, verkauf deinen Körper, Linda ...
BRIDGET: ( mit Lachen ) Den will doch keiner, nicht mal geschenkt ...
DAFYDD: Bridget, halt die Klappe ... ( zu den Tänzerinnen ) So wird's gut ... besser ... ( während der Tanz zu Ende geht ) Und jetzt drehen wir uns alle zu Macheath - und Verbeugung ... ( Die Frauen drehen sich alle zu GUY. Nur ENID nicht, die sich ganz korrekt zu CRISPIN verbeugt. Als sie sieht, dass sie die einzige ist, beeilt sie sich, es den anderen gleich zu tun. DAFYDD schüttelt sie wütend. )
DAFYDD: Nein, nicht zu ihm! Zu Macheath, Macheath ... oh, ich geb's auf ... ( Die Musik endet. CRISPIN geht. ) Na schön. Habt schönen Dank. 15 Minuten Pause. Danke schön.
( ( DAFYDD und MR. AMES gehen. Die Frauen folgen, über den Tanz schwatzend, ENID mit gesenktem Kopf. ) )
BRIDGET: ( während sie geht ) Jetzt kommt Leben endlich in die Bude.
( ( GUY bleibt einen Augenblick allein. Dann geht er den anderen nach. Im Augenblick scheint er mit seinem Leben zufrieden zu sein. Das Licht zieht langsam ein. Blackout. Vorhang. ) )
2. Akt
Im Café
Die gesamte Bühne ist unverändert. Die Zeit: Mit den Proben ist es inzwischen ein bisschen weiter vorangegangen. Scheinwerferlicht auf CRISPIN als Macheath.
CRISPIN: ( singt als Macheath ) Ist das Herz eines Mannes von Sorgen bedrückt, so erhellt sich sein Sinn, wenn ein Weib er erblickt: Gleich den Tönen der Geige, so milde, milde, spricht sie ihm zu, was das Ohr berückt. Auf ihren Wangen zwei Rosen blühn, doch noch viel röter die Lippen glühn ... Herze und scherze! In Süße der Küsse zerschmelzen zu Freuden des Lebens Mühn.
( ( Am Ende des Liedes fällt das Licht auf einen Café-Tisch. Ein Tisch für 4 Personen. Im Moment sitzen nur HANNAH und GUY dort. Benutzte Tassen und Teller und eine Platte mit Kuchen. HANNAH isst ein Stück. Die Atmosphäre ist gespannt. Das liegt, wie sich zeigt, zum größten Teil an HANNAH. ) )
HANNAH: ( nach einer Pause ) Also. Was gedenkst du zu tun? ( Pause ) Ich meine, du kannst nicht uns beide haben. Oder kannst du das? ( Pause ) Du kannst nicht ... ( ihr Blick fällt auf die Platte mit dem Kuchen ) den Kuchen essen und ihn behalten. Du musst dich entscheiden, Guy. Sie oder ich.
GUY: ( murmelt unglücklich ) Das ist nicht ... nicht so leicht ...
HANNAH: Was? Was hast du gesagt?
GUY: ( ziemlich laut ) Ich hab gesagt, das ist nicht so leicht ...
HANNAH: Psst ... passt ...! Ist ja gut. Willst du, dass das ganze Lokal mithört? ( Pause ) Ich frage mich nur, warum brauchst du eigentlich zwei?
GUY: Ich brauche keine zwei.
HANNAH: Ist denn eine nicht genug?
GUY: Ich liebe euch beide - auf verschiedene Weise ...
HANNAH: Entzückend. Vermutlich liebst du mich, weil ich deine Wäsche wasche und deine Knöpfe annähe. Damit du es weißt, das erfordert ein großes organisatorisches Talent. Ich kann die Waschmaschine nur benutzen, wenn Dafydd nicht da ist. Um Mitternacht sortiere ich Socken. ( ihr fällt plötzlich etwas ein, ganz sachlich ) Sag mal, du hast nicht zufällig eine von Dafydds Unterhosen? Er vermisst eine.
GUY: Eine mit Schottenmuster?
HANNAH: Genau. Wenn du sie hast, dann gib sie mir bitte zurück, ja?
GUY: Ich glaub, ich hab sie sogar an.
HANNAH: Oh Gott! Guy. ( Pause ) Na ja, soviel ist jedenfalls klar, zu Fay gehst du nicht wegen der Wäsche. Trotz all der extravaganten Kleider die sie trägt, hab ich immer das Gefühl, dass es drunter ziemlich schmuddelig aussieht.
GUY: Also bitte, Hannah. Hör auf. ( Pause ) Ich möchte noch ein Stück Kuchen.
HANNAH: Ich hab genug Kuchen gegessen. Und ich bin todunglücklich, dass wir uns in Cafes und Lokalen und an Bushaltestellen treffen müssen ...
GUY: Wo sollen wir sonst hingehen?
HANNAH: Nirgendwohin. Die Stadt ist viel zu klein. Alle wissen Bescheid.
GUY: Ja, ich weiß.
HANNAH: Bloß Dafydd nicht, natürlich.
GUY: Nein. Ich glaub wirklich nicht, dass er etwas weiß. Erst habe ich ja gedacht, er spielt nur den großen, blinden Mann, aber ...
HANNAH: Dafydd weiß nichts. Er ist komisch. Sogar die Zwillinge sind misstrauisch geworden. Seit neuestem nennen sie ihre Pappipuppe Guy. Aber zum Glück denkt Dafydd wohl, das wär so 'ne Art Kasperlespiel. ( Pause )
HANNAH: Nein, er braucht mich nicht - ich meine dafür - auf diesem Gebiet. Also sexuell bin ich nicht mehr interessant für ihn. Also nimmt er an ... ich könnte es auch für andere nicht mehr sein. ( Pause ) Wahrscheinlich bin ich das ja auch für niemanden wirklich. ( Sie weint zornige Tränen ) Nein, er braucht mich nicht.
GUY: Hannah. Bitte, Hannah ...
HANNAH: ( wütend ) Du hast verdammtes Glück, dass Dafydd nichts von uns beiden weiß, das kann ich dir sagen. Der würde dich ganz schön zur Minna machen. Das kannst du mir glauben. Er würde dich windelweich prügeln, mit einem einzigen Faustschlag würde er dich zu Mus schlagen. Er würde dir die Fresse einschlagen. Auf dir herumtrampeln und dich dorthin stoßen, wo's dir wirklich weh tut. Und ich würde lachen. Ha! Ha! Er ist verdammt brutal. Er war mal Rugby-Spieler, musst du wissen ...
GUY: Ja. Ja, das hat er mir erzählt.
GUY: ( HANNAH weint ) Bitte, hör auf, Hannah, bitte. Die Leute starren uns schon an. Ich werd zahlen.
HANNAH: ( sieht jemanden hinter GUY ) Oh, nein ...
GUY: Was ist los?
HANNAH: Da ist sie. Sie ist uns nachgegangen. Sie spioniert uns nach.
GUY: Oh mein Gott ...
( ( FAY erscheint. Offensichtlich hat sie eingekauft. Sie trägt etliche Tüten. ) )
FAY: Hallo, ihr zwei. ( HANNAH ignoriert sie )
GUY: Hallo, Fay.
FAY: Was für ein lustiges Örtchen, um Tee zu trinken. Ein richtiges Aufreißlokal.
HANNAH: Bist du deswegen hierher gekommen?
FAY: ( setzt sich zwischen die zwei an den Tisch ) Darf ich Platz nehmen?
HANNAH: Es muss nicht unbedingt sein.
FAY: Danke. Wow, bin ich kaputt. Du siehst elend aus, Hannah. Was hast du, meine Liebe? Heuschnupfen?
HANNAH: Ich bin allergisch, das ist alles. Gegen bestimmte Gerüche.
( ( FAY sieht HANNAH einen Augenblick an. Stille. ) )
GUY: Hört mal, das ist alles sehr peinlich. Ich glaube, es wäre besser, wenn einer von uns geht. Und das werde ich jetzt tun.
FAY: Von mir aus. Ich halte dich nicht auf ...
HANNAH: Gut.
FAY: ... ich wollte Guy nur etwas geben. ( FAY zieht aus einer ihrer Taschen eine Papiertüte hervor und gibt sie GUY. )
HANNAH: Was ist das?
FAY: Was Persönliches.
HANNAH: ( greift nach der Tüte ) Was?
FAY: Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten.
HANNAH: Ich will wissen, was das ist. Ich will wissen, was ...
FAY: Finger weg ...
GUY: ( vermittelnd, sanft ) Bitte, bitte. Also bitte, hört auf, Mädchen, die Leute ... ( Er lächelt ins Lokal. HANNAH und FAY sind erstarrt. )
FAY: Dann sag ihr, sie soll loslassen.
HANNAH: Ich lasse es einfach nicht zu, dass sie hier reinspaziert und versucht, dir Sachen zuztu ...
GUY: Hannah ...
HANNAH: Wie kann sie sich unterstehen, dir direkt vor meiner Nase geheimnisvolle Geschenke zu machen ... Sie will mich bloß demütigen. Genau das will sie.
FAY: Lass los.
HANNAH: Nein.
GUY: Also bitte. Lasst uns das wie erwachsene Menschen regeln, ja? ( sieht von einer zur anderen ) Ihr Mädchen? Bitte. Gebt es mir. Ich mache es auf. Und dann gibt es keine Geheimnisse mehr. Ist das in Ordnung? Hannah? Hannah ...
HANNAH: In Ordnung. Ich möchte es sehen.
GUY: Fay?
FAY: ( zuckt mit den Achseln ) Von mir aus ... ( Sie überlassen GUY die Tüte )
GUY: Gut. Okay. Also dann. ( Er öffnet die Tüte und fördert den Inhalt zutage. ) Wollen wir doch mal seh'n, was wir hier haben. ( Er hält eine Unterhose mit Schottenmuster in der Hand. ) Oh Gott!
FAY: Sie lag unter dem Bett. Ich wollte nicht, dass du dich erkältest. ( Sie kichert )
HANNAH: ( schaut FAY voll Verachtung an ) Du verdammte Hure. Du verdammte und total schmierige, schmuddelige, gemeine und unhygienische, kleine Hure. ( grapst nach der Hose ) Gib sie mir. Gib sie mir auf der Stelle.
GUY: ( hält sie fest ) Hannah ...
FAY: Lass das ...
HANNAH: Gib sie mir ... ( FAY mischt sich in das Gerangel ) Lass sofort los.
GUY: Das ist doch so blöd. Hört auf damit ... ( Alle zerren )
HANNAH: Gib mir diese Hosen.
FAY: Hannah, das sind nicht deine. Also, lass los. Die gehören dir nicht.
HANNAH: Oh, doch gehören sie mir.
FAY: Unsinn.
GUY: Ich glaube wirklich, dass sie ihr gehören, Fay.
FAY: Das sind ihre?
HANNAH: Ja.
FAY: ( lässt los ) Meine Liebe. Es tut mir schrecklich leid ...
GUY: ( lässt auch los ) Ich meine, wenn ich sage, es sind ihre, habe ich gemeint ...
FAY: Hannah, meine Liebe, wer hätte so was vermutet. Da kann man's mal sehen. ( singt ) Frau Saubermann, Frau Saubermann ...
HANNAH: ( überlappend, stopft die Hose in ihre Handtasche ) Du wagst es ... du wagst es?! Wie kannst du dich unterstehen ...?
FAY: ( singt überlappend ) ... ob diese Hose helfen kann?
GUY: Fay, bitte ...
HANNAH: ( steht auf und nimmt ihren Mantel ) Hier bleibe ich nicht länger.
FAY: Mach dir keine Sorgen, meine Liebe. Bei mir ist dein Geheimnis sicher.
HANNAH: ( zu FAY ) Das wird dir noch leid tun. Das schwöre ich dir. Das wird dir noch leid tun ... ( HANNAH geht ab )
GUY: ( steht auf ) Oh, Fay ... Wirklich. Das war nicht nötig. Wirklich ...
FAY: Oh. Willst du gehen?
GUY: Ja, natürlich, ich muss ... ( Er zeigt in Richtung HANNAH )
FAY: Wir sehen uns bei der Probe.
GUY: Sicher.
FAY: Und danach bin ich zu Hause. Wenn du auf einen Sprung vorbeikommen möchtest?
GUY: ( zweifelnd ) Tja ... heute abend nicht, Fay ...
FAY: Übrigens, Ian hat gefragt, ob du schon was gehört hast. Wegen dem Grundstück.
GUY: Oh. Nein. Tut mir leid.
FAY: Es ist nur, weil Jarvis irgendwann dahinkommen wird, und wenn wir's nicht kaufen, dann kauft es irgend jemand anderer.
GUY: Jarvis. Willst du damit sagen, es gehört Jarvis?
FAY: ( merkt wohl, dass sie zuviel gesagt hat ) Ja.
GUY: Du wusstest das nicht, du wusstest das nicht.
GUY: Nein, ich hatte keine Ahnung, dass es ihm gehört.
FAY: ( zuckt mit den Schultern ) Spielt ja auch keine Rolle. Wichtig ist nur, ob du gefragt hast. Weil - das war ein Teil unserer Abmachung, Darling. Nicht wahr?
GUY: Abmachung? Wie meinst du das?
FAY: Ich meine, Ian hat dir seine Rolle abgetreten, oder? Filch.
GUY: Oh, Filch. Ja. Ich hab ihn nicht darum gebeten, das weißt du.
FAY: Nein, aber du hast auch nicht nein gesagt, oder? Aber du hast ja überhaupt nie nein gesagt, stimmt's? Nicht, dass ich mich beklagen will. Aber ich könnte mir vorstellen, das Ian das würde. Vielleicht. Wenn du nicht rausrückst mit der Ware.
GUY: Tja also, ich ... ich hör mich um. Diskret natürlich.
FAY: Sehr gut. Es wäre doch schrecklich, wenn wir schmutzige Wäsche waschen müssten, findest du nicht? Bye, bye, Darling.
GUY: ( unbehaglich ) Bye ... ( Er geht ziemlich unglücklich ab. Variante: Er will abgehen, dabei fällt ihm etwas ein. Er lupft diskret seinen Hosenbund. ) Ehem ... leuchtendes Orange mit so einem blauen Blumenmuster und ein schwarzes Gurtband ... ist das vielleicht eine von ...?
FAY: Ian hat solche, ja ...
GUY: Oh ... tut mir leid ... Ich bring sie gelegentlich vorbei.
( ( FAY sitzt noch ein bisschen am Tisch und lächelt in sich hinein. Scheinwerferlicht auf LINDA. ) )
Die Probe
LINDA: ( singt als Lucy ) Wie wenn die Hausfrau die fette Ratte packt, die ihr in die Falle geraten, So schlägt ihr Herz im frohen Takt, denn gerächt ist ja nun ihr Braten. Und sie wirft sie hin zu Hund und Katz und erschlägt sie mit ihrem Spaten.
( ( Am Ende des Liedes geht FAY ab. Das große Bühnenlicht geht an. Wir sehen LINDA zusammen mit HANNAH und CRISPIN als Polly und Macheath. BRIDGET ist wie üblich mit dem Soufflierbuch dabei. DAFYDD streift durch den Zuschauerraum, und abseits in einer Ecke sitzt JARVIS mit einem Walkman, zierliche Kopfhörer auf den Ohren. Er ist in seiner eigenen Welt. GUY, der während des Liedes hereingekommen ist, sieht ebenfalls der Probe zu. CRISPIN steht an einer Kulissen-Gefängnistür, mit der er während der Szene spielt. ) )
LINDA: ( als Lucy ) Geprellt bin ich worden - der Keuschheit beraut. Wer gibt mir wieder, was ich verlor? Es stimmt, was man sagt: Schon in der Wiege lügen die Männer - Und Frauen - geboren sind sie, um ihnen zu glauben! Oh Schurke - Oh Schurke!
HANNAH: ( als Polly ) Bin ich nicht dein Eh'weib? Du verachtest mich, du verabscheust mich wie nur ein Ehemann kann. Schau mich an. Sag mir, bin ich nicht deine Frau?
LINDA: ( als Lucy ) Treuloser Schuft!
HANNAH: ( als Polly ) Unmenschlicher Gatte!
LINDA: ( als Lucy ) Hätten sie dich doch vor fünf Monaten gehängt, dann wäre ich glücklich.
HANNAH: ( als Polly ) Und ich auch. Hättest du mich geliebt und wärst dann gestorben - ich würde nicht klagen. Es ist doch kein unbilliges Verlangen, von seinem Mann geliebt zu werden, ( selbst wenn sie seine Ehefrau ist ) noch dazu, wenn er nur noch sieben oder acht Tage zu leben hat. ( Während der letzten Zeilen hat DAFYDD GUY entdeckt und schlendert zu ihm hinüber. )
DAFYDD: ( flüstert laut ) Tut mir leid. Wir sind noch nicht so weit. Aber du kommst gleich dran.
GUY: ( leise ) Okay.
DAFYDD: Saumäßig schwere Arbeit mit den dreien. Dieser Junge - tolle Stimme. Aber bewegt sich wie eine Schaufensterpuppe. Und diese zimperliche kleine Madame ( er zeigt auf LINDA ) Schau sie dir an. In jedem Bioladen geht's stürmischer zu ... ( Die Probe geht weiter )
LINDA: ( als Lucy ) Bist du etwa verheiratet, du Monster? ... ( Sie zögert )
BRIDGET: ( souffliert laut ) Bist du etwa noch mit einer anderen verheiratet?
LINDA: ( als Lucy ) Bist du etwa noch mit einer anderen verheiratet? Hast du -
BRIDGET: ( unterbricht sie ) Hast du zwei Frauen, du Monster?
LINDA: Ja, ja. Ich weiß es.
BRIDGET: Ich hab dir nur den Text souffliert.
LINDA: Ja, in Ordnung, ich weiß es. Ich kann ihn, oder kann ich ihn etwa nicht? ( HANNAH steigt aus der Szene aus. Vorfälle wie diesen hat es offenbar schon häufiger gegeben. CRISPIN schaut amüsiert zu. DAFYDD wendet seine Aufmerksamkeit wieder der Probe zu. )
DAFYDD: Okay, okay, Mädchen. Also los, macht weiter.
LINDA: Jedes Mal, wenn ich eine Pause mache, um Luft zu holen, liest sie mir meinen Text vor. Würdest du so freundlich sein, sie zu bitten, das zu lassen, ja?
DAFYDD: Bridget, sag ihr erst den Text, wenn sie dich darum bittet. Und du, Linda, mach nicht mehr so viele Pausen, um nach Luft zu schnappen.
LINDA: Also, Atem holen muss ich ja schließlich, oder? ( halblaut ) Nicht unbedingt ...
DAFYDD: Du kannst auf der Bühne nicht solche langen Atempausen machen. Wenn du tief durchatmen willst, dann atme in deiner Freizeit ... aber nicht auf der Bühne ... Wir machen weiter. Und du Bridget, halt die Klappe.
BRIDGET: ( murmelt vor sich hin ) Ich hab gedacht, der einzige Grund, weshalb ich hier bin, ist, dass ich hier souffliere. Ich frage mich, wieso ich schon drei Monate lang hier sitze?
DAFYDD: Bridget. Halt die Klappe! Weiter.
( ( Eine kleine Pause. Die Frauen sehen CRISPIN an. ) )
CRISPIN: Oh, ich bin dran, oder? ( als Macheath ) Wenn Weiberzungen so schweigen könnten so hört mir an. ( DAFYDD wimmelt hörbar über CRISPINs Vortrag. CRISPIN schaut in DAFYDDs Richtung. )
CRISPIN: Ich höre sehr gut, Dafydd.
LINDA: ( als Lucy ) Ich denke nicht daran. Was ich erlitten, das kann kein Mensch ertragen.
HANNAH: ( als Polly ) Hab ich keinen Anspruch auf mein Eigentum? Das Recht ist auf meiner Seite - du solltest es mir als deiner Angetrauten auch zugestehen, ( betont in GUYs Richtung ) mein Liebster. Zumindest solltest du den Schein wahren. Das Unglück muss ihn um den Verstand gebracht haben, sonst könnte er mich nicht so behandeln.
( ( Wieder eine Pause. HANNAH sieht LINDA an. ) )
LINDA: ( merkt mit Verzögerung, dass sie dran ist ) Hm. Oh. Ja. Hm. Oh. Eh. ( Sie verzieht ihr Gesicht und versucht, sich zu erinnern. ) Wie geht's denn weiter, he?
BRIDGET: ( souffliert ) Oh ...
LINDA: ( wiederholt ) Oh ...
BRIDGET: ( bildet den Anfang von Schurke ) Sch ...
LINDA: ( mit ihr zusammen ) Sch ... Sch ... Schön? ... Schon? Schau? Schenk? Scheiße.
DAFYDD: ( schreit von hinten ) Sag doch mal, was soll denn das, verdammt nochmal, zwanzig verblödete Fragen? (2. Fass.: Schs?)
LINDA: ( klagend ) Sie will mir meinen Text nicht sagen ...
DAFYDD: Bridget, um Gottes willen, sag ihr ihren Text ...
BRIDGET: Du hast mir gerade eben gesagt, ich soll's nicht. ( liest ganz schnell ) Oh Schurke, Schurke, du hast mich betrogen, mit dem größten Vergnügen würde ich nun gegen dich aussagen. Selbst die stolzeste, hochanständigste Frau hätte nun Freude daran, dir alle Schuld in die Schuhe zu schieben ...
( ( LINDA fängt an zu heulen, während BRIDGET diesen Text runterleiert. ) )
DAFYDD: Bridget! Jetzt reicht's! ( BRIDGET hört auf )
BRIDGET: ( unschuldig ) Was?
DAFYDD: ( redet LINDA gut zu ) Also los, versuch's noch mal, Liebes ...
LINDA: ( kaum hörbar, weinend ) Das macht sie die ganze Zeit so. Andauernd. Die ganze Zeit ...
( ( DAFYDD stößt einen gewaltigen, ungeduldigen Seufzer aus. ) )
HANNAH: Einen Augenblick - Dafydd. Nur einen Augenblick ... ( LINDA und HANNAH stecken die Köpfe zusammen und sprechen von Frau zu Frau. Keiner von uns kann hören, was. CRISPIN, der casus belli dieser ganzen Angelegenheit, steht da und sieht sehr zufrieden mit sich aus. Er schneidet DAFYDD durch die Gefängnistür Grimassen. )
DAFYDD: ( zu GUY ) Schau dir diesen grinsenden Hornochsen an. Ich wünschte zu Gott, ich hätte lauter Profis. Dann könnte ich sie alle rausschmeißen, diese Zwitter haben dich doch in der Hand. Wenn du sie nicht andauernd lobst, kommen sie überhaupt nicht in Schwung. Was machen denn die beiden da? ( schreit ) Schluss jetzt! Das ist ja wie auf'm Rugbyfeld! Aufhören, die Verletzungspause ist zu Ende - steck ihr 'ne Zitronenscheibe zwischen die Zähne, wechsle ihre Shorts und bring sie aufs Feld zurück!
HANNAH: ( lässt ab von LINDA und sagt zu DAFYDD ) Okay. Sie ist okay. ( zu LINDA ) Okay? ( LINDA nickt und nimmt ihre Position wieder ein. )
LINDA: ( als Lucy, ausdruckslos, sagt ihren Text kaum hörbar ) Oh Schurke, Schurke! ( sie schnieft ) Du hast mich betrogen. ( schnüfft ) Es wäre mir ein Vergnügen, gegen dich auszusagen ... etc. ( Sie lässt den Text verkleckern. Während LINDA spricht, ist DAFYDD näher und näher an sie herangekommen, in dem Bemühen, sie besser zu hören. )
DAFYDD: Und ... Mr. Ames! Sagt bloß nicht, er ist gerade gestorben. Mr. Ames ...
AMES: ( fröhlich ) Hallo?
DAFYDD: Song.
AMES: Entschuldigung. ( Er fängt an zu spielen )
HANNAH: ( singt als Polly ) Er quält mich.
LINDA: ( singt als Lucy ) Er quält mich.
HANNAH: ( als Polly ) Er piesackt und prellt mich.
LINDA: ( als Lucy ) Er schwindelt und stiehlt.
HANNAH: ( als Polly ) Verzweiflung ergreift mich.
LINDA: ( als Lucy ) Und würde beim Galgen dem Henker selbst bang, so knüpft ich mit Freuden dir selber den Strang. Ich legte gern, gegebenenfalls, die Schlinge selbst ihm um den Hals.
HANNAH: ( als Polly ) Er quält mich, etc. ( Das Lied endet. Die Szene geht ohne Pause weiter. )
HANNAH: ( als Polly ) Und bringst du's übers Herz, mich immer weiter zu verleugnen?
CRISPIN: ( als Macheath ) Und bringst du es übers Herz, mich weiter als deinen Ehemann zu bezeichnen? Warum, Polly, versuchst du, mein Unglück noch zu verschlimmern? ( DAFYDD stöhnt wieder )
LINDA: ( als Lucy ) Wirklich, Miss Peachum, Sie stellen sich nur selber bloß. ( BRIDGET kichert )
LINDA: Übrigens ... ( geht zu BRIDGET rüber, wütend ) Wirst du wohl aufhören, mich auszulachen? Wirst du wohl mit dem Lachen aufhören?
DAFYDD: ( aus dem Zuschauerraum ) He, he, he, he ...
BRIDGET: Es war komisch ...
HANNAH: Linda ...
LINDA: Das Lachen wird dir gleich vergehen. ( LINDA packt die unvorbereitete BRIDGET an den Haaren und zieht sie von ihrem Stuhl auf den Boden herunter. )
BRIDGET: ( wütend ) Au ...!
CRISPIN: ( mit großem Vergnügen ) Wey - hey!
LINDA: Dir werd ich's zeigen, dir werd ich's zeigen ...
BRIDGET: Lässt du los. Lässt du wohl los. Ich warne dich ...
HANNAH: Oh du lieber Himmel. Es reicht, es reicht. Hört auf damit ...
DAFYDD: ( versucht, sie auseinander zu bringen ) Jetzt macht aber mal 'nen Punkt, Mädchen. Also, hört auf ...
( ( Die Prügelei auf der Bühne hat JARVIS' Aufmerksamkeit erregt. ) )
JARVIS: ( zu DAFYDD, laut wegen seiner Kopfhörer ) Das ist 'ne gute Prügelei, sehr überzeugend. Allererste Klasse.
DAFYDD: Oh, sei bloß still.
( ( JARVIS hört nichts, lächelt aber. Die Frauen kämpfen jetzt ernstlich miteinander. Ein ungeheures Handgemenge. Sie wälzen sich auf dem Boden und suchen beide ihren Vorteil. BRIDGETs größere Kraft wird von LINDAs blinder Wut pariert. CRISPIN gibt MR. AMES einen Wink. Daraufhin beginnt dieser ein anderes Lied. Währenddessen geht der Kampf geräuschlos weiter, bis es GUY und DAFYDD gelingt, die Frauen zu trennen. Bis zu diesem Punkt spielt sich alles pantomimisch ab. Wie gesagt, ohne Geräusch, in der Realität wäre der Lärm doch ziemlich laut. ) )
CRISPIN: ( singt in seiner nicht üblichen Genuss ) Wie könnt mich doch jede entzücken, wär's andere Liebchen nur fort! Doch wollt ihr mich beide beglücken, so sag ich zu keiner ein Wort. - Tol lol derol, lol derol bums da, tol, lol, derol ...
( ( Am Ende des Liedes kehrt wieder normaler Ton ein. Die Kämpfer keuchen und sind erschöpft. Ebenso ihre Befreier. GUY hält BRIDGET, HANNAH hält LINDA. DAFYDD steht da und ringt nach Luft, bevor er spricht. JARVIS hat von seinem Platz am Rande der Arena alles mit großem Genuss beobachtet. ) )
DAFYDD: ( endlich ) Okay jetzt ... hört zu ... alle beide ... ( BRIDGET versucht, sich von GUY freizumachen. GUY hält sie fest. ) Jetzt hör doch endlich auf, Bridget! Bridget! ( DAFYDD droht ihr mit einer Ohrfeige. Sie beruhigt sich. Die Ohrfeige verwandelt sich in ein Tätscheln. Sie schnappt nach seiner Hand und um ein Haar wäre er seine Finger losgeworden. ) Jesus! Also, weißt du! ( LINDA versucht, sich ebenfalls zu befreien. )
HANNAH: Ich kann sie nicht länger halten ...
DAFYDD: ( zu HANNAH ) Dann versuch, sie hinter die Bühne zu bringen. Hinter die Bühne. Halt sie unter den Wasserhahn. ( HANNAH zerrt LINDA von der Bühne ) ( zu GUY ) Die auch. ( hilft GUY bei BRIDGET ) Schon gut, ich hab sie. Also los. Raus mit dir. Raus! ( HANNAH bringt LINDA raus. GUY und DAFYDD nehmen BRIDGET in die Zange und bringen sie raus. DAFYDD kehrt fast augenblicklich zurück. GUY ist draußen geblieben, vermutlich bewacht er BRIDGET. DAFYDD wendet sich jetzt dem blöde lächelnden CRISPIN zu. )
DAFYDD: Und nun zu dir, du grinsender Bock. Das ist alles deine Schuld. Du allein hast uns das alles eingebrockt.
CRISPIN: Leck mich doch ... ( Er will gehen. DAFYDD geht ihm nach. )
DAFYDD: Du stinkst mir schon seit große Wochen. Du rauszuschmeißen, mein Junge, das kannst du mir glauben. ( CRISPIN dreht sich plötzlich drohend um. )
CRISPIN: Da tätest du recht dran. Fang an damit!
DAFYDD: ( erschrocken über den plötzlich veränderten Tonfall ) Was?
CRISPIN: Fang an damit. Los.
DAFYDD: Nein, das ist nicht der richtige Weg, mit Gewalt kann man so was nicht lösen.
CRISPIN: Ich warte schon lange sehnsüchtig darauf, dir eine zu verpassen. Na, komm schon. ( CRISPIN geht langsam auf DAFYDD zu. DAFYDD, plötzlich ganz ängstlich, weicht zurück. ) Du stinkst mir schon seit große Wochen. ( CRISPIN treibt DAFYDD während seines folgenden Textes immer weiter zurück. )
DAFYDD: Hör zu, mein Junge, sei kein Kindskopf. Ah, ah. Also, also ... ich bin ... ich bin ein Mann in mittleren Jahren, wie du weißt. Also fast. Das wäre nicht fair. Lass uns vernünftig sein ... Jetzt versuch ... Jetzt versuch nicht ... Ich bin Rechtsanwalt, wie du weißt ... ich könnte dich ... natürlich will ich es nicht, wenn du nicht ... ( DAFYDD steht Nase an Nase mit CRISPIN und ist nicht in der Lage, sich weiter zurückzuziehen. ) ( nervös ) Also, was jetzt? ( Er lacht )
CRISPIN: Gut ...
DAFYDD: Ja?
CRISPIN: Wie wär's damit für den Anfang? ( CRISPIN reißt plötzlich sein Knie hoch und geht zurück. DAFYDD gibt ein schauerliches Winseln von sich und krümmt sich zusammen. HANNAH und GUY sind inzwischen einzeln zurückgekommen und werden Zeugen des Vorgangs. )
HANNAH: Dafydd ...?
GUY: Jejejeh ...
CRISPIN: ( heiter ) Also, tschüss dann ... ( Er schlendert hinaus )
DAFYDD: ( unter Schmerzen ) Ooooooohhrrrrggg.
JARVIS: ( der alles mitangesehen hat ) Das ist 'ne gute Prügelei, sehr überzeugend. Nein, das war aber längst nicht so überzeugend wie vorhin ...
DAFYDD: ( blickt wild zu JARVIS, das Gesicht schmerzverzerrt ) Ich bringe ihn um. Ich bringe diesen Idioten um ...
JARVIS: ( lächelt und hört nicht ) Du hast doch nichts gegen 'ne objektive Kritik, oder?
GUY: Alles okay?
HANNAH: Ist alles in Ordnung mit ihm?
GUY: Ja, ich glaube, er hat 'n Tritt in die ...
HANNAH: ( mitfühlend ) Oh, ja. Da tut es sehr weh, oder?
DAFYDD: Na klar, das tut verdammt weh ...
GUY: Da hilft kaltes Wasser ... Glaube ich wenigstens.
HANNAH: Das ist gut. Na ja, du ... ( sie führt DAFYDD hinaus ) Komm lieber mit und setz dich zu Linda. Ihr könnt euch ja das Waschbecken teilen ... ( Sie geht ab. HANNAH nimmt unterwegs LINDAs Tasche mit, DAFYDD stöhnt. ) Vorsichtig, Lieber. Ja, so ...
( ( HANNAH und DAFYDD gehen ab. ) )
GUY: ( zu sich ) Na ja ...
JARVIS: ( nimmt die Kopfhörer ab und reicht sie GUY ) Hör dir das mal an. Für was hältst du das? ( GUY setzt sich zögernd die Kopfhörer auf. Was immer er hört, es ist sehr laut und nicht besonders angenehm. Er nimmt die Kopfhörer hastig ab. )
GUY: Gott im Himmel! Was ist das denn?
JARVIS: Errätst du's nicht? Das ist das Originalgeräusch einer Boulton & Watt Dampfmaschine aus dem Jahre 1812, die noch heute ihren Dienst tut und das Wasser in den Kennet & Avon Kanal pumpt.
GUY: Du liebe Güte.
JARVIS: Pro Kolbenhub wird eine Tonne Wasser 40 Fuss hochgepumpt.
GUY: Erstaunlich.
JARVIS: Das habe ich mir die ganze letzte Stunde angehört.
GUY: Eine Dampfmaschine?
JARVIS: Ja.
GUY: Was - den ganzen Abend?
JARVIS: Nein, nein, nein. Das ist die Kassette mit den 'Aussterbenden Geräuschen Großbritanniens'. Herausgegeben von der BBC. Alle aussterbenden Geräusche ...
GUY: Na ja, sich so anzuhören, ist ja vermutlich angenehmer, aber ... ( Er lacht )
JARVIS: ( hört nicht ) Was?! ( Er stellt den Recorder ab ) Nein, ich habe diese Kassette meiner Frau zu Weihnachten geschenkt, aber sie war nicht so begeistert ...
GUY: Hören Sie mal, kann ich Sie kurz mal was fragen? ( vergewissert sich, dass sie allein sind ) Es geht um ein Stück Land, das offenbar Ihnen gehört. Hinter den BLM-Werken. Sie wissen, welches ich meine?
JARVIS: Ich weiß es nicht nur, ich besitze es.
GUY: Ja.
JARVIS: Ich will dir mal eine kleine, interessante Geschichte über das Stück Land erzählen ...
GUY: ( gottergeben ) Ja bitte, bitte ...
JARVIS: Das Land wurde von meinem Großvater, dem alten Joshua Pike, zum Wohle seiner Angestellten erworben. Er war ein Menschenfreund und ein tiefreligiöser Mann - Vorsänger, weißt du, - aber seine andere Leidenschaft, von der Firma mal abgesehen, war Kricket. Kricketverrückt. Kannst du mir folgen?
GUY: Klar. Ja.
JARVIS: Also, er kaufte das Land einer Witwe ab und ließ es von seinen Leuten, von seinen Arbeitern, trockenlegen, einebnen, und ließ einen Rasen anlegen, alles natürlich in ihrer Freizeit, nicht etwa während der Arbeitszeit. Na gut, also - als alles fertig war, hieß es, das wäre der beste Kricketplatz im Umkreis von hundert Meilen oder mehr. Wie ein Billardtisch. Und er sagte zu seinen Leuten - da habt ihr ihn, Leute, nun benutzt ihn auch! Das ist ein Geschenk für euch. Für die Überstunden, die ihr bei mir machen musstet.
GUY: Wunderbar.
JARVIS: Eine einzige Bedingung - Sie wissen ja, er war ein frommer Mensch - am Sabbath nie, Jungs! Sonntags ist für euch Sabbath. Na ja - ungefähr ein Jahr später oder so, an einem schönen Sonntagnachmittag, da spaziert er mit seinen Kindern und Enkelkindern durch die frische Luft - und als er am Kricketplatz vorbeikommt, was muss er da entdecken - ein paar seiner Arbeiter toben mit einem Ball herum, lachen und haben ihren Spaß, als ob es Samstagabend wäre! Und der alte Mann sagt nichts. Nicht in dem Augenblick. Aber am nächsten Tag, am Montagmorgen, das erste, was er macht, er schickt seine Bulldozer und Pflüge und Bagger und baggert das ganze Land von einem Ende bis zum anderen. Dann hat er den Pavillon in Flammen aufgehen lassen und das Land mit einem 12 Fuss hohen Holzzaun eingezäunt. Einem Pfahlzaun. Und bis heute hat nicht ein einziger Ball dieses Stück Land berührt. So ein Mann war er. Mein Großvater. So was wie er wird nicht mehr geboren. Eine aussterbende Gattung Mensch.
GUY: Wie die aussterbenden Geräusche Großbritanniens. Ja ... ( nach einer, wie er hofft, respektvollen Pause ) Die Sache ist die, was dieses Land angeht ... Es gibt da ein Gerücht, es hat sich durch nichts bestätigt, muss ich dazu sagen ... dass BLM vorhat, es zu kaufen. Möglich wär's. Und dann würde sein Wert ganz hübsch steigen. Wenn Sie also verkaufen wollen ... ( JARVIS überlegt. ) Tja ...
JARVIS: Du brauchst nichts mehr zu sagen.
GUY: Sie haben verstanden.
JARVIS: Ich bin froh über die Information. Ich vertrau dir. Du bist Schotte. Und ich werde dafür sorgen, dass für dich was dabei rausspringt, sei unbesorgt.
GUY: Nein, ich brauch das nicht - dass was dabei herausspringt. Wirklich.
JARVIS: Warum hast du's mir erzählt?
GUY: Na ja, also - ich dachte, Sie sollten das wissen. Weil ... ich will nicht, dass Sie jemand übervorteilt. Rein freundschaftlich.
JARVIS: ( lacht skeptisch ) Rein freundschaftlich? Oh, ja, ja?! Wer's glaubt!
GUY: Na schön, wenn Sie mir nicht glauben ...
JARVIS: Komm mir nicht freundschaftlich, mein Freundchen. Mir bleiben noch ein paar Jährchen, bevor ich abgehe, aber wenn ich diese Welt verlasse, dann fein und rein. Wie mein Vater und mein Großvater. Ich will niemandem was schulden. Alle sind bezahlt worden. Meine Firma. Meine Familie. Keiner kann auch nur einen Penny einklagen. Und ich habe nicht die Absicht, in deinem Fall eine Ausnahme zu machen. Du verstehst mich richtig, ich versteh dich richtig. Richtig?
GUY: Richtig.
( ( REBECCA kommt von der Straße herein. Sie hat das Ende der Unterhaltung mitgehört. Sie schaut etwas misstrauisch. ) )
REBECCA: Hallo.
JARVIS: Zu Befehl! ( Er legt etwas ironisch die Hand zum Gruß an die Stirn. )
GUY: Guten Abend.
REBECCA: Ist Dafydd schon bis zu uns gekommen?
GUY: Nein. Ich glaube, er ist überhaupt noch nicht sehr weit gekommen ...
REBECCA: Das wundert mich nicht. Wo ist er? Da hinten?
GUY: Ja.
REBECCA: Die bringe ich jetzt mal auf Trab. Mir reicht's ... ( REBECCA geht nach hinten ab )
JARVIS: Die ist auch bezahlt worden. Meine Mutter ist 92. Sie ist auch bezahlt worden.
GUY: Sie haben Ihre Mutter bezahlt?
JARVIS: 100 Pfund die Woche, steuerfrei, und einen Bungalow in Paignton. Die beklagt sich nicht. ( er geht nach hinten ) Du wirst auch bezahlt, mach dir keine Sorgen. ( JARVIS geht ab. GUY, jetzt allein und eifrig wie immer, entschließt sich, schnell noch einmal für sich zu proben. Er nimmt sein Buch. Er liest die Rollen der anderen ab, versucht aber, seine eigene auswendig zu sprechen. )
GUY: ( liest ) Komm her, Filch ... bla, bla, bla ... ( er springt im Text ) Wo warst du letzte Nacht eingesetzt, mein Junge? ( ohne ins Buch zu schauen ) Ich hatte meinen Standplatz an der Oper, und wenn man bedenkt, dass es weder dunkel war noch regnete, so dass kein großes Bedürfnis nach Kutschen und Sänften bestand, hab ich ganz schön was eingesackt. Diese sieben Taschentücher, Madame ... ( GUY sieht im Skript nach, freut sich, dass er alles richtig gesagt hat. Er ist noch damit beschäftigt, als DAFYDD auftritt. DAFYDD ist sehr kleinlaut und nippt an einem Becher Tee. )
GUY: Wie fühlst du dich?
DAFYDD: Oh, unwahrscheinlich gut. Wie ein Mann, der seine Hochzeitsnacht mit einer Dampfturbine verbracht hat. ( GUY nickt mitfühlend ) Tja. Jetzt sind wir im Loch. Wenn der Junge nicht wiederkommt, sind wir im Aus, sag ich dir. Die Bettleroper ohne Macheath - das wär sogar 'n Flop für Peter Brook. ( Pause ) Ach, das möchte man am liebsten ... Aber wen interessiert das schon? Wen interessiert das schon?
GUY: Mich.
DAFYDD: Ach, Guy, Guy. Mein Fels im Meer! Aber im Grunde interessiert sich niemand. In diesem Land nicht. Da ist alles andere wichtig, nur nicht das Theater. Mit was man sich am besten die Haare wäscht, mit was man sein Auto pflegt - wenn wir in Bulgarien wären, oder sonstwo, gäb's 'nen Volksaufstand. 'ne anständige Aufführung oder Geld zurück. Aber hier - wenn du denen hier sagst, dass du mit Kunst befasst, drücken sie dir höchstens ihre Sympathie aus, fein, nur weiter so. Na ja, vielleicht haben sie ja recht. Warum sich den Kopf zerbrechen! Jedes Mal schwöre ich mir, ich betrachte das Ganze wie ein Rugbyspiel. Ich werd's nicht mehr so ernst nehmen. Ist doch bloß 'n Spiel, Hergott nochmal. Und jedes Mal ist es dasselbe. Ist doch zum Verzweifeln. 'n Spiel auf Leben und Tod. Schau mich an. Wenn du mich ansiehst, musst du doch denken, ich hätte wirklich ernsthafte Probleme - dabei, alles, was passiert, ist, dass 'n Theaterstück nicht stattfindet. Das ist alles. Aber die Ironie dabei ist natürlich, dass außerhalb dieser vier Wände, in der wirklichen Welt draußen, da habe ich echte Probleme. Und mit denen werde ich nicht fertig. Das gibt einem doch zu denken, oder? Wenn ich mein Psychiater wäre, dann würde ich mir Sorgen machen. Ich würd denken, alles geht schief. Und damit hätte ich recht.
GUY: ( vorsichtig ) Irgendein - ganz bestimmtes Problem?
DAFYDD: ( ausweichend ) Na ja, mal davon abgesehen, dass mich so ein singendes Schwein zusammengeschlagen hat ... nichts besonders Originelles. Ich weiß nicht. So Sachen eben. Hannah. Solche Sachen, weißt du? ( Pause ) Diese Frau ist eine verdammte Tiefkühltruhe. Das ist das Problem. Physisch. Ich meine - auf andere Weise ist sie wieder toll. Eine phantastische Hausfrau. Also wirklich ohne sie ... ( er lächelt ) Ich nenn sie immer mein Schweizer Taschenmesser, verstehst du? Jeder Mann sollte so eins haben. ( er lächelt wieder ) Ja, ja ... es ist nur so, dass sie ... tja, eine Klinge fehlt ihr, wenn du verstehst, was ich meine. War von Anfang an so. Ist ja auch nicht ihre Schuld. Sie hat's eben nicht mitbekommen. War schon bei unserer Hochzeitsnacht so. Ich kann dir sagen ihr Nachthemd muss mit 'm Eispickel aufgeschlagen. Und das ... konntest du nicht ... vor eurer Hochzeitsnacht feststellen?
DAFYDD: Na ja, wenn man aus dem Teil von Wales kommt wie ich, mein Junge, nicht. Die sind nicht so schnell mit kaufen und zurückgeben, verstehst du? Weißt du, ich dachte, irgendwann wird sie mal auftauen. Ein bisschen Wärme spenden. Verstehst du? Mal so im allgemeinen 'ne kleine Aufmunterung. ( plötzlich mit größerer Leidenschaft ) Mein Gott, es ist ja nicht so, dass ich es nicht versucht hätte ... Ich hab wirklich versucht, dass es funktioniert hab ich wirklich. Die Nächte, die ich damit zugebracht habe, ihre verdammte Abwehr zu durchbrechen. Aber nichts! Kaum hatte ich eine Mauer eingerissen, hatte sie schon 'ne neue aufgebaut.
GUY: ( versucht, etwas Nettes zu sagen ) Na ja. Immerhin hast du Zwillinge zustande gebracht ...
DAFYDD: ( düster ) Ja. Also, darüber sprechen wir nie. Nie.
Neue Besetzung
GUY: Aha ...
DAFYDD: Entschuldigung, Guy. Ich bin ein dämlicher Langweiler. Entschuldige. Warum langweile ich dich mit Hannah und mir? Entschuldigung ... Weiß auch nicht, was in mich gefahren ist. Ich glaube, ein Mann muss erst einen Schlag in die Eier kriegen, damit ihm seine eigene Sterblichkeit schmerzhaft bewusst wird ...
( ( REBECCA kommt zurück. ) )
DAFYDD: ( gereizt ) Ja?
REBECCA: Entschuldigung, dass ich unterbreche. Erstens habe ich gedacht, es würde dich interessieren, dass die Mithöranlage eingeschaltet ist ...
DAFYDD: Oh Gott ...
REBECCA: Und zweitens - weil wir versucht haben, Hannah das mithören zu ersparen, haben wir eine Vollversammlung im Sinne der Mitbestimmung abgehalten.
DAFYDD: Oh, ja. Und?
REBECCA: Ja, also, was sollen wir machen? Ich meine, es spricht doch nichts dafür, dass der Junge jemals wiederkommt? Also - was machen wir?
DAFYDD: Ich weiß nicht, was wir machen sollen. Sag du's mir. Du bist doch diese tolle Mitbestimmungstante. Das nächste Mal könntest du mich vielleicht zu so einer Scheißvollversammlung einladen. Kann ja sein ich hätte 'n paar Vorschläge zu machen.
REBECCA: Sehr gut, fangen wir gleich damit an. Wir brauchen einen neuen Macheath. Stimmt's?
DAFYDD: Ja. Und wo sollen wir einen hernehmen? Eh?
REBECCA: Also ... ( Sie sieht GUY an )
GUY: Ah.
DAFYDD: Du meinst Guy?
REBECCA: Er ist unsere einzige Chance, oder? Entweder er oder Ian Hubbard ...
DAFYDD: Oh Gott, jeder, bloß nicht Ian Hubbard ...
REBECCA: ( zeigt auf die Mikrophone ) Pst!
DAFYDD: Entschuldigung. ( flüstert ) Meinst du, du kannst das?
GUY: Ich -
REBECCA: Ob er es könnte? Er ist verrückt danach ...
( ( Die Lichter verlöschen. Nur ein Spot bleibt auf GUY. REBECCA und DAFYDD gehen ab. ) )
GUY: ( singt als Macheath ) Wie soll ich mich salvieren, mich wehren meiner Haut! Die Frau ist, wenn wir krepieren, im Handumdrehn wieder Braut. Ein Weib für einen Mann ist schon zuviel im Haus, doch zwei auf einmal hält kein Sterblicher aus. Was ich auch tue und was ich auch will, was die eine beglückt, macht die andere nicht still.
REBECCAs Garten
Am Ende des Liedes wird es in REBECCAs Garten hell. Ein Stuhl. Ein Gartentisch. GUY steht da und sieht sich um.
REBECCA: ( ruft ihm zu ) Ju-huuu! Hierher, Guy! Es ist so süß von dir, dass du vorbeischaust. Hoffentlich stören dich die Mücken nicht. Möchtest du eine Tasse Tee? Soll ich nach Tee klingeln?
GUY: Nein, nein, danke. Ich habe gerade zu Hause Tee getrunken.
REBECCA: Wirklich?
GUY: Einen Sherry oder sonst was?
GUY: Nein. Gar nichts. Danke. Nicht so kurz vor der Probe.
REBECCA: ( nimmt ihr Glas ) Ganz richtig, ganz richtig. Du beschämst uns alle, Guy. Aber weißt du, ich glaube, bei mir macht's nichts aus, wenn ich mich doll und voll saufe - die verstecken mich sowieso immer in der Kulisse. ( Sie lacht, GUY lacht höflich mit. ) Setz dich doch. ( hält ihm eine Zigarettendose hin ) Magst du? Nein? Ach, du bist toll. Kein einziges Laster. So gut wie keins. ( sie lächelt ) Wir alle finden, dass du ein absolut phantastischer Macheath werden wirst.
GUY: Danke.
REBECCA: Ich hab so das Gefühl, dass Dafydd unheimlich Glück gehabt hat, dich zu kriegen. Was auch immer der Preis dafür war.
GUY: Tut mir leid, ich ver ...
REBECCA: Muss dir nicht leid tun. Es hat unheimlich Spaß mit dir gemacht, die ganze Zeit, Guy. Jedem auf seine Art.
GUY: Na ja ...
REBECCA: Nun, ich hoffe, dass du mir auch einen schönen Tag bescherst. Wenn ich's recht betrachte, hast du fast jedem von uns einen beschert. Auf die eine oder andere Weise. Jetzt bin ich dran, bin ich doch, oder?
( ( REBECCA lächelt gewinnend, GUY fühlt sich nicht ganz wohl in seiner Haut. Aber das Licht wechselt zu TED, ENID und JARVIS. ) )
ENID, TED und JARVIS: ( singen ) In den Tagen der Jugend, da sang ich voll Freud, va, la, la, & etc. Und war stets wie ein Sperling zur Liebe bereit, va, la, la, & etc. Verküsst euer Leben in Liebe und Spaß, Mund an Mund, wenn wir jung - dann die Lippen ans Glas va, la, la & etc.
( ( Das Lied endet. Wir kehren wieder zu REBECCA und GUY zurück, die sich weiter unterhalten haben. ) )
REBECCA: Nun, ich habe einen kleinen Wunsch, von dem ich glaube, dass du ihn mir erfüllen könntest. ( sie sieht, dass GUY erstaunt schaut ) Schau nicht so erschreckt. Es ist nicht das, was du denkst.
GUY: Nein, nein, ich hab nur ...
REBECCA: Da sei Gott vor. Sechs Jahre mit Jarvis auf einer Matratze, das hat mich kuriert. Nein - es ist nur, du hast doch neulich abends mit ihm gesprochen ...
GUY: Ja - ach ja - wegen des ...
REBECCA: Wegen unserm Stück Land, ja.
GUY: Das trifft sich gut. Darüber wollte ich eigentlich auch reden.
REBECCA: Gut.
GUY: ( kruschelt in seiner Tasche ) Die Sache ist die ich habe - also, mir ist es eher unangenehm ... ( er zieht einen vollgestopften Umschlag heraus ) Das habe ich heute morgen mit der Post bekommen.
REBECCA: Oh - ist ja toll. ( schaut genauer hin ) Was ist das bitte? Ich hab meine Brille ...
GUY: Fünfhundert Pfund.
REBECCA: Oh, toll.
GUY: In Scheinen - cash.
REBECCA: Sie Glücklicher - einfach so? Ist jemand gestorben?
GUY: Nein. Soviel ich weiß, nicht. Ja - ich hab gedacht - es kommt vielleicht von Ihnen?
REBECCA: Von mir?
GUY: Oder vielleicht von Jarvis.
REBECCA: Jarvis.
GUY: Ja, ich hab gedacht.
REBECCA: Das ist sehr unwahrscheinlich. Sie wären der erste Mensch, der es fertig gebracht hätte, von ihm Geld zu bekommen. Keine seiner Frauen hat das je geschafft, das kann ich Ihnen sagen. Zwei von ihnen haben darüber das Zeitliche gesegnet, arme Dinger!
GUY: Ich bin fast sicher, dass es von ihm ist.
REBECCA: Was soll das heißen? Hegt er eine gewisse Neigung für Sie?
GUY: Natürlich nicht. Es ist nur.
REBECCA: Warum sind Sie dann so sicher? Warum in aller Welt sollte mein Mann 500 Pfund schicken?
GUY: Weil ich ... ich hab ihn gewarnt, wegen dieses Gerüchtes. Wegen diesem Stück Land. Ich hab noch nicht feststellen können, ob irgendwas Wahres dran ist - aber das Gerücht geht, dass ...
REBECCA: ( langsam ungeduldig ) Ja - ich hab es auch gehört.
GUY: Sie haben davon gehört?
REBECCA: Oh ja.
GUY: Na ja also, ich hab Jarvis nur davon erzählt, weil ich nicht wollte, dass er übers Ohr gehauen wird. Oder Sie.
REBECCA: Danke. Das ist wahnsinnig süß von dir. Tausend Dank. Natürlich gibt's zwei verschiedene Möglichkeiten, oder? Ich meine, nehmen wir mal an, das Gerücht stimmt nicht, aber jeder glaubt, dass es stimmt - dann wäre der Preis gestiegen, und Jarvis würde sich ins Fäustchen lachen. Und die Auswirkungen des Scherzes müssten dann diese skrupellosen Leute ausbaden, vor denen du uns gewarnt hast. Das wäre dann so eine Art ausgleichender Gerechtigkeit. Oder?
GUY: Ah.
REBECCA: Natürlich, der ganzen Sache wäre strategisch ungeheuer gedient, wenn jemand wie du das Gerücht nicht bestreiten würde ... Im Gegenteil, wenn er es mutig behaupten würde.
GUY: Oh, ich denke, ich könnte ...
REBECCA: Nein, nein, da sei Gott vor. Das musst du ganz alleine mit deinem Gewissen abmachen. Aber, wie dem auch sei, du hast viel zu viel im Kopf mit deinem Macheath. Wir müssen dich nicht auch noch damit belasten. Aber erinnere dich daran, wenn sie dich alle bei der Premiere feiern und beklatschen, dass ich es war, der du die Rolle zu verdanken hast. Erinnere dich daran, dass ...
GUY: Ja, und ich bin sehr dankbar. Ich ...
REBECCA: ( nach einem verstohlenen Blick auf ihre Uhr ) Oh je - wir müssen sausen, glaub ich, wir wollen sie doch nicht warten lassen. Hast du deinen Wagen dabei? ( Sie läuft schon los, während sie spricht. )
GUY: Ja, danke ... Wissen Sie, ich möchte wirklich wissen, wie dieses Gerücht entstanden ist. Ist doch merkwürdig ...
REBECCA: ( sieht ihn kurz an und stellt fest, dass GUY seine Frage ganz harmlos gestellt hat ) Tja, ich vermute, das werden wir nie herausfinden, was? Keiner von uns. Kommst du?
GUY: ( zeigt auf den Umschlag auf dem Tisch ) Und was ist damit? Was soll ich damit machen? Das Geld?
REBECCA: Das musst du wissen. Ganz allein. Hab Spaß damit. Ich hätte welchen.
GUY: Ich kann es nicht annehmen. Auf keinen Fall.
REBECCA: Sei nicht albern.
GUY: Nein. Wenn ich es nehmen würde, würde es so aussehen ... Es würde so ...
REBECCA: Mach, was du willst damit. Nur lass es um Himmels willen nicht hier. Sonst könnte noch irgend jemand auf die Idee kommen, du hättest es uns gegeben. Und das wär doch ein bisschen komisch, nicht? ( REBECCA geht ab. GUY starrt den Umschlag unentschieden an. Er geht ein paar Schritte davon weg. Bleibt stehen. Nach ungefähr einer Sekunde oder so geht er zu dem Geld zurück und nimmt es und steckt es in die Tasche. )
Beleuchtungsprobe
Während GUY das Geld einsteckt, wechselt das Licht und wir sind zurück im Probenraum. GUY zieht sich sein Macheath-Kostüm an. Dabei helfen ihm einige der Frauen, die um ihn herumschwirren. Unter ihnen HANNAH, FAY, ENID und LINDA. Alle haben Teile, die meisten vollständige Kostüme an, die Proben haben ihr Endstadium erreicht. Von jetzt an besteht kein Zweifel mehr, dass die Produktion steht. Während GUY angezogen wird – pantomimisch, Stille – singt BRIDGET, bereits im Kostüm der Jenny Diver.
BRIDGET: ( singt als Jenny ) Vor seiner Stalltür krähend, steht der Hahn mit seinen Hennen, nach rechts und links hin spähend, will keine noch er nennen, dann wählt vom Haufen eine er, und grüßt das frohe Tier: how do you do –, wie geht es dir, mein allerschönstes Lieblingstier?
( ( Die anderen Frauen singen mit ihr den Refrain. Nach dem Lied geht die Beleuchtungsprobe weiter. GUY steht immer noch in der Bühnenmitte. Die Probe verzögert sich offensichtlich aus technischen Gründen. DAFYDD kommt von der Beleuchtungsbrücke herunter, in der Hand einen riesigen Beleuchtungsplan. ) )
DAFYDD: Tut mir leid, Guy. Es geht gleich los. Wenn uns nichts um die Ohren fliegt. ( zeigt zur Beleuchterbrücke, vertraulich ) Langsam der da oben – dieser Beleuchter. Der braucht 20 Minuten, um eine Farbe auszuwechseln. Nicht zu glauben. Ich meine, warum muss man sich freiwillig als Beleuchter für eine Show melden, wenn man nicht schwindelfrei ist? Er weiß doch, dass er da die Leitern rauf muss! Der Mann hat sie doch nicht alle, der sollte ... ( Ein anderer einzelner Scheinwerfer leuchtet auf. ) ( ruft hinauf ) Danke, Raymond, das ist – das ist hübsch.
DAFYDD: ( steht in einem leuchtend orangenen Spot, zu GUY ) Findest du, dass das aussieht wie der Widerschein eines Feuers?
GUY: ( unsicher ) Nein. Eigentlich nicht.
DAFYDD: Nein, ich auch nicht. Nehme ich später wieder raus. Jetzt lassen wir's erst mal. Er hat drei Stunden gebraucht für die Einstellung ... ( ruft wieder ) Ja, wir sind ganz verrückt danach, Raymond. Das gefällt uns sehr. ( studiert seinen Plan ) Kann ich jetzt mal die 18 sehen, ja? Meine Nummer 15 ist deine 18. ( zu GUY ) Diese Pläne haben nicht mal dieselbe Numerierung, verdammt nochmal! ( Ein Scheinwerfer flammt auf. ) Nein, das ist die 17, Raymond. Das ist deine Nummer 17. Meine 12. Ich möchte meine 15 sehen, also deine 18.
RAYMOND: ( von ferne ) Das ist Nummer 18.
DAFYDD: Was ist das? Nein, das ist die 17. Meine 12. Ich will nicht die 17. Ich will die 18. Meine Nummer 18 ist deine 15.
RAYMOND: Ich hab keine Nummer 15.
DAFYDD: Nein, bleib, wo du bist. Meine 15. Deine 18 ... ( Ein anderer Scheinwerfer flammt auf. ) Nein, das ist die Nummer 56. Bleib da oben. Ich komm rauf. Verdammte Scheiße. Ich komm rauf, Raymond. Und vielleicht macht mal bitte einer ein paar Türen auf ... Ist ja subtropisch hier ...
( ( DAFYDD klettert zur Beleuchtungsbrücke hoch. GUY, jetzt allein, geht ein bisschen auf der Bühne hin und her, um sich an sein Kostüm zu gewöhnen. Er ist etwas nervös. Er räuspert sich und schwingt die Arme. HANNAH kommt mit seiner Kostümjacke. ) )
HANNAH: ( gibt sie GUY ) Hier. Müsste besser sein.
GUY: Danke. ( GUY zieht die Jacke an. Zwischen den beiden geht es erschreckend förmlich zu. )
HANNAH: Lass es mich wissen, wenn sie dir immer noch unbequem ist.
GUY: Nein, nein. Ist tadellos.
DAFYDD: ( von der Beleuchtungsbrücke ) Versuch mal, die 12 einzuschalten. Stöpsel die 22 aus, Raymond. 22! Das ist ... verdammt nochmal, was ist die denn, ist meine Reserve 96. Hör mal, Raymond, das nächste Mal numerierst du diesen verfluchten Schaltplan neu. Sei bitte so freundlich und sag es auch den anderen. ( DAFYDD verschwindet wieder. )
HANNAH: Guy ...?
GUY: Ja?
HANNAH: Warum hast du nicht angerufen?
GUY: Oh, Hannah ...
HANNAH: ( geht zu ihm ) Was ist los? Was habe ich getan? ( Sie stehen beieinander, vermeiden instinktiv die Scheinwerfer, so dass DAFYDD sie nicht sehen kann. )
GUY: Begreif doch, ich war ... ich hatte den Kopf voll mit dieser ganzen Sache. Das Stück ...
HANNAH: Das ist wichtiger als wir?
GUY: Nein, es ... Wir waren doch jeden Abend zusammen. Du meine Güte.
HANNAH: Wenn du das zusammensein nennst ...
GUY: Ja, ja, es war schwierig, Hannah. Ich hatte doch ungefähr eine Woche, um das Ding zu lernen ... ( Ein heller Scheinwerfer fällt auf die beiden. RAYMOND hat eine andere Schaltung hergestellt. Die beiden gehen aus dem Licht. )
DAFYDD: ( von oben ) Das ist gut. Halt das fest, vergiss es nicht. Jetzt müssten die 27 und 28 zusammen kommen. Lass mal sehn. ( murmelt ) Innerhalb der nächsten 25 Minuten, wenn möglich ... ( DAFYDD verschwindet wieder. )
GUY: Hör mal, es ist doch sinnlos, das jetzt zu diskutieren. Wir können doch nichts entscheiden mitten auf ...
HANNAH: ( laut ) Gut, wann dann? ( Plötzlich stehen sie im Licht von zwei Scheinwerfern. DAFYDD taucht wieder auf. Sie sehen zu DAFYDD hoch. )
DAFYDD: Tut mir leid, meine Lieben, in einer Minute bin ich bei euch. Versucht, nicht ungeduldig zu werden. ( Er geht, HANNAH und GUY gehen wieder aus dem Licht. )
GUY: Also gut. Wenn du darüber reden willst, werden wir darüber reden. Okay. Ich denke, alles geht einmal zu Ende. Stimmt's? Ich denke, es hat uns unglaublich viel Spaß gemacht. Und ich denke, du bist wunderlich, aber es muss einfach ein Ende haben.
HANNAH: ( bestürzt ) Was sagst du da? Ein Ende?
DAFYDD: ( kommt wieder ) Tu die 1 und die 2 rein. Gleichzeitig – noch mal – sie müssten gleichzeitig kommen. ( DAFYDD geht wieder. )
HANNAH: Warum, warum?
GUY: Ja. Wegen Dafydd ... erst mal.
HANNAH: Dafydd?
GUY: Ja.
HANNAH: Verflucht nochmal, was kümmert uns Dafydd? ( Mehr Licht kommt, DAFYDD erscheint wieder. )
DAFYDD: Die beiden gefallen mir nicht. ( HANNAH und GUY gehen aus dem Licht. ) Vergiss die. Gib mir die andere Seite. Versuch mal mit der 7 und der 8. ( DAFYDD geht wieder. )
HANNAH: Was hat Dafydd damit zu tun?
GUY: Hannah, Dafydd hat mit allem was zu tun. Er ist dein Mann, und er ist mein Freund. Und wenn ich mir vorstelle, dass ich schuld daran sein soll, wenn du ihn verlässt ...
HANNAH: Ich verlasse ihn sowieso, ob du bleibst oder nicht, also hat das überhaupt nichts mit ... ( Ein Scheinwerfer lässt von den Knien abwärts helles Licht auf sie fallen. HANNAH und GUY hüpfen instinktiv zur Seite. )
GUY: ( irritiert ) Mach, dass du wegkommst ...
DAFYDD: ( erscheint wieder ) Na ja, na ja, die gehen bei Gott nicht. Raymond. Die beleuchten ja nur seine Socken. Da müsste ein Zwerg sein. Glaubst du vielleicht wir spielen Schneewittchen? Also den Vierer HMI bitte. Versuchen wir den mal ... ( DAFYDD geht. )
HANNAH: Nein, ich weiß genau, was du machst. Du benutzt Dafydd als Entschuldigung, um mir den Laufpass zu geben, das ist alles ...
GUY: Das ist einfach nicht wahr ... ( Mehr Scheinwerfer flammen auf, verdrängen die anderen. GUY und HANNAH stehen nicht im Licht. )
HANNAH: Versuch bitte nicht, mir vorzumachen, du würdest auch nur eine einzige Sekunde an Dafydd denken ...
DAFYDD: ( ruft ) Hört mal, ihr zwei ... wenn es dir gerade jetzt zupass käme. Vor 14 Tagen, da hat es dir nichts ausgemacht ...
GUY: Ich glaube, er will was von uns ...
HANNAH: ( wütend ) Ja?
DAFYDD: ( kommt auf die Bühne ) Entschuldigung. Geht ihr den Text durch? Hört mal, würdet ihr euch mal für mich da hinstellen, damit wir Zeit sparen? Ich möchte nur diese Einstellung überprüfen. ( Er rückt HANNAH und GUY ins Scheinwerferlicht. ) Stellt euch mal in den da, so ist es gut ... noch ein bisschen weiter vor, Hannah ... Danke. Bleib mal da stehen. ( Er geht in den Zuschauerraum, um das Licht zu prüfen. )
HANNAH: ( brummt vor sich hin, während DAFYDD geht ) Die schwächste Ausrede, die ich je in meinem Leben gehört habe ...
DAFYDD: Hannah, Liebes, kannst du dich mal eine Minute für Anni Anderson da hinstellen, ja? Sie ist etwas größer als du – kannst du dich für einen Moment auf die Zehenspitzen stellen? ( HANNAH stellt sich auf die Zehenspitzen. ) 'n bisschen höher. Danke.
HANNAH: ( fühlt sich scheußlich ) Mir wäre es lieber, wenn du ehrlich gewesen wärst und gesagt hättest, eine andere Frau ...
DAFYDD: Guy, mein Lieber ...
HANNAH: ... die es natürlich gibt!
DAFYDD: Guy, könntest du dich so klein wie Tony Moffit machen? Bitte ...? ( GUY macht sich klein. )
GUY: So ungefähr?
DAFYDD: Ja, so ist es gut! Bleib so! ( er überlegt einen Moment ) Das funktioniert nicht, Raymond. Zeig mir was anderes. ( Während des nächsten Textes gehen nacheinander Scheinwerfer aus und an und werfen ihr Licht auf das verkrüppelte Paar. DAFYDD betrachtet sich das Ganze aus dem Zuschauerraum und lehnt einen nach dem anderen ab. )
HANNAH: ( den Tränen nahe, weich ) Ich war bereit, alles für dich aufzugeben, das weißt du ... ( Ein Scheinwerfer geht an. )
GUY: Ich weiß, ich weiß.
DAFYDD: ( ruft ) Nein.
HANNAH: ( weich ) Mein Heim, meine Ehe, sogar meine Kinder ... ( Licht aus, ein neues Licht an. )
GUY: ( weich ) Das hättest du nicht, Hannah, nicht, wenn's wirklich dazu ...
DAFYDD: ( ruft ) Nein.
HANNAH: ( weich ) Alles, was ich dir gesagt habe, habe ich auch so gemeint ... ( Licht aus, ein neues Licht an. )
GUY: ( leise ) Ich habe auch alles so gemeint, wie ich es gesagt habe.
DAFYDD: ( ruft ) Nein, das wird nie was ...
HANNAH: Du hast mit Fay gehabt und – Gott weiß, mit wem noch. Du hast mich benutzt, Guy. ( Licht aus, ein neues Licht an. )
GUY: ( lauter ) Das ist eine Lüge.
DAFYDD: ( ruft ) Ja. Das ist es – welche Nummer ist das? ( Er sieht auf seinem Plan nach. HANNAH stöhnt traurig, ohne dass sie es will. ) ( zu den beiden ) Oh. Entschuldigung, entspannt euch, meine Lieben. Entschuldigung. Danke für eure Hilfe. ( Er nimmt seine Tätigkeit wieder auf. HANNAH schluchzt auf, während sie sich wieder normal hinstellt. MR. AMES im Kostüm tritt auf. )
GUY: Hannah ...
DAFYDD: Was ist los mit ihr?
GUY: Ehm ...
DAFYDD: ( betrachtet sie ) Du dumme Nuss, hast wohl wieder in die Scheinwerfer gestarrt, was? ( knufft sie zärtlich ) Wie oft muss ich dir noch sagen, mach die Augen zu, Mädchen.
GUY: ( beschwörend ) Hannah ...
HANNAH: ( todunglücklich ) Oh, Guy ...
DAFYDD: Also, jetzt zeig mir mal, wie das aussieht, wenn du den dazu tust, Stimmung 54 c ... ( DAFYDD verschwindet. )
HANNAH: Ich liebe dich so sehr, Guy ...
GUY: Ich liebe dich, Hannah ... ( Musik setzt ein. Eine sehr romantische Lichtstimmung kommt auf – wahrscheinlich die 54 c. )
HANNAH: ( singt als Polly ) Oh wie tut das Scheiden weh! Wie soll ich dich lassen, wie soll ich dich lassen. Oh wie tut das Scheiden weh! Wie soll Polly dich nur lassen? Ach, eh Tod die Lieb zerbricht, eh man dir 'nen Todstrick flicht, reiß ich sie mir aus dem blut'gen Herzen. Flieh, ach flieh – ich muss dich lassen.
GUY: ( singt als Macheath ) Doch eh Tod die Liebe bricht & etc.
( ( Am Ende des Liedes rennt HANNAH von der Bühne. GUY bleibt unglücklich zurück. Das Licht wird neutraler. DAFYDD taucht auf, ruft nach hinten. ) )
DAFYDD: Notier dir das, Raymond. Notier das. Das brauch ich fürs Finale. Mein Gott, ich glaube, jetzt haben wir's. ( DAFYDD kommt auf die Bühne runter. ) Tut mir leid, Guy. Du warst ungeheuer geduldig. Dank dir.
GUY: Dafydd ...
DAFYDD: Ja, mein Lieber ...
GUY: Ich habe das Gefühl, dass ich mit dir über etwas reden muss ...
DAFYDD: Oh ja? ( ruft ) Würdest du mir mal die Technik rufen, Raymond? Ja? Und vielleicht bringt mir mal einer von den Bühnenarbeitern die große Sicherheitsleiter ...? Ja. Entschuldigung, Guy. Was hast du für ein Problem?
GUY: Na ja, es ist lächerlich, jetzt damit anzufangen, aber ... ( Arbeitsbeleuchtung. )
DAFYDD: ( schreit ) Danke. ( er schaut zur Beleuchtungsbrücke hoch ) Dieses kalte Licht nehme ich raus, Raymond. Ich hasse es. Leidenschaftlich. Mit dieser Kälte kann ich nicht leben, tut mir leid ... ( bemerkt, dass GUY noch neben ihm steht, zieht ihn beiseite, beruhigend ) Guy, eins muss ich dir sagen, du wirst eine Sensation, mein Junge. Da bin ich ganz sicher. Mach nur das, was du bei den Proben gemacht hast. Wenn erst Publikum da ist, spielst du sowieso noch besser. Da schwingst du auf der Welle. ( Während des letzten Satzes haben zwei Bühnenarbeiter, jetzt im Kostüm, eine Leiter gebracht, die sie für DAFYDD hinstellen. )
GUY: Dafydd, ich rede nicht von unserem Stück ...
DAFYDD: ( zeigt auf die Leiter ) Hältst du mal fest, ich möchte noch etwas verändern. Danke. ( DAFYDD klettert die Leiter hinauf. GUY hält sie widerstrebend fest. DAFYDD hoch oben auf der Leiter. ) Eine einmalige Chance für dich, dich zu rächen. Kipp mich runter, wenn du willst.
GUY: ( missmutig ) Das will ich nicht, Dafydd.
DAFYDD: Na ja, ich kann nur sagen, gut dass du's bist, der da unten steht. Da hinten wartet eine ganze Meute, die das mit dem allergrößten Vergnügen täte. ( JARVIS tritt auf, nur halb im Kostüm. Er hat noch immer seine Alltagsschuhe an. )
JARVIS: Heh! Geht das so?
DAFYDD: ( sieht kaum hin ) Toll, Jarvis. Umwerfend.
JARVIS: Das sind die richtigen Hosen, natürlich ... ( Er zeigt auf seine Hosen. )
DAFYDD: Nein, nein. Das sieht man. Und den sieht man nicht mehr, der hat ausgebrannt. ( Er kommt herunter, untersucht die kalte Farbscheibe, die er gerade von einem Scheinwerfer abmontiert hat. )
JARVIS: Außerdem habt ihr meine Stiefel vergessen. Die Mädchen sollten sich darum kümmern.
DAFYDD: Oh, mein Lieber ...
JARVIS: Ich hatte ausdrücklich um Stiefel gebeten ... Ich wollte Stiefel. Der Mann ist Gefängniswärter, der muss Stiefel haben. Der zieht niemals Schuhe an, doch nicht im Gefängnis ...
DAFYDD: Keine Bange, Jarvis. Wir werden schon Stiefel für dich finden. Keine Bange ...
JARVIS: Eins sage ich dir, in Schuhen spiele ich ihn nicht. Ich muss Stiefel finden. ( JARVIS geht ab. )
DAFYDD: Besser wär's, wenn er seinen verdammten Text finden würde. ( schreit ) Die Leiter brauch ich nicht mehr. ( zeigt GUY die Farbscheibe ) Verzogen. Sieh dir das an, hm?! ( Er will auf die Beleuchtungsbrücke zurück. IAN tritt auf, spaziert in seinen Privatkleidern über die Bühne, eine Abendzeitung unterm Arm. ) ( zu IAN ) Wie spät haben wir's? Wie spät haben wir's?
IAN: ( ziemlich aggressiv ) Bin ja erst im zweiten Akt dran, oder?
DAFYDD: Ist ja fabelhaft, ist ja fabelhaft!
IAN: ( zu GUY ) Schon Zeitung gelesen, ja?
GUY: Nein. Ich hatte wirklich keine Zeit.
IAN: Dick auf der ersten Seite. Wahrscheinlich wird es dich nicht überraschen ... Jetzt bist du dran. Riesenschock – Stillegung! BLM schließt.
DAFYDD: Was ist los? ( IAN hält die Zeitung hoch. )
IAN: BLM ... schließt ... ( REBECCA ist aufgetreten und hört zu. )
DAFYDD: Schließt?
IAN: Genau das steht da ... 500 Arbeitsplätze weg.
DAFYDD: Du liebe Güte. Du liebe Güte.
IAN: Mit 130 Mann wollen sie weitermachen ...
GUY: 128 genau.
IAN: Ach, du wusstest das schon?
GUY: Oh ja.
IAN: Da hätte ich drauf wetten können, verflucht nochmal, dass du das wusstest. Du lässt keinen Trick aus, was?
REBECCA: Seit wann weißt du das?
GUY: Seit ich heute morgen die Nachricht auf meinem Schreibtisch gefunden habe. Wie die meisten von uns. ( sieht sie an ) Das ist wahr.
IAN: ( geht ab ) Ich glaube dir, du Unschuldsengel ...
GUY: Das ist wahr ...
IAN: Sicher, sicher, sicher ...
GUY: ( ruft ärgerlich hinter ihm her ) Wenn du mich dadurch besser fühlst – ich gehöre nicht zu den 128 ...
REBECCA: Das überrascht mich aber ... ( zu DAFYDD, zeigt auf sein Kostüm ) Meinst du, das ist so richtig, Dafydd? Aber ich stehe ja sowieso hinter diesem riesigen Baum oder hinter sonst was. Da ist es ja sowieso egal, was ich anhabe. ( Er geht in seine Garderobe. )
DAFYDD: Es ist toll, Beccy, toll ...
REBECCA: Gefällt es dir wirklich?
DAFYDD: Es ist genau richtig.
REBECCA: ( im Abgehen ) Na schön. Es ist deine Inszenierung, mein Lieber. Wenn du Lacher erwartest, wirst du nicht enttäuscht werden, das sag ich dir. ( sagt zu jemandem hinter der Bühne ) Habe ich es dir nicht gesagt?! Es gefällt ihm. ( REBECCA ab. )
DAFYDD: ( schreit ) Also los, jetzt! Weitermachen! Wie kommst du voran, Raymond, ist es erlaubt zu fragen? ( stellt sich unter die Leiter ) Ich habe darum gebeten, dass diese Leiter weggeräumt wird. Warum ist das nicht geschehen? Bridget, irgend jemand! Bitte! ( DAFYDD ist zu GUY gegangen, der sehr niedergeschlagen in einer Bühnenecke sitzt. BRIDGET tritt auf. DAFYDD setzt sich auf einen Tisch neben GUY. ) Es tut mir wirklich sehr leid, Guy. ( BRIDGET zieht ihm den Tisch unter dem Hintern weg. DAFYDD setzt sich daneben auf den Boden. BRIDGET geht ab, nachdem sie den Tisch platziert hat. ) Es tut mir wirklich sehr leid, was ich da hören musste, Guy. Wirklich. War's das, was du mir gerade erzählen wolltest? Mein Gott, tut mir das leid. Es ist doch genau so, wie ich's gesagt habe, nicht? Wir spielen hier mit hübschen Lichtern rum und mit Kostümen, die mit Sicherheitsnadeln zusammengehalten werden – aber die Wirklichkeit ist da draußen. ( positiver ) Du schaffst das schon. Du schaffst das. Das weiß ich. Sei nicht verzweifelt, alter Freund. ( er klopft GUY liebevoll auf die Schulter ) Entschuldige mich, ich muss da hinten mal ein paar Raketen hochgehen lassen ...
( ( DAFYDD geht ab. Die Bühnenarbeiter räumen die Leiter weg. FAY tritt auf mit GUYs Perücke und einem kleinen Spiegel. ) )
FAY: ( gibt beides GUY, kühl ) Hier.
GUY: Oh, herzlichen Dank ...
FAY: Sie hat ihr Bestes versucht ...
GUY: ( prüft die Perücke eifrig ) Das ist gut. Sehr gut.
FAY: Du musst ja unheimlich zufrieden mit dir sein.
GUY: Wie meinst du das?
FAY: Du scheinst es geschafft zu haben, fast jeden hier zum Narren zu halten, hast du doch?
GUY: Ich glaube nicht, dass ich das habe ... ich wollte es jedenfalls nicht ...
FAY: Du bist ein berechnendes kleines Schwein, nicht wahr? Schön, mich jedenfalls hast du an der Nase herumgeführt. Herzlichen Glückwunsch. Das passiert nicht oft. Ian dagegen hast du nie wirklich überzeugt, so leid's mir tut. Er hat von Anfang an gesagt, du wärst ein Arschloch ...
GUY: ( verletzt ) Danke.
( ( Schweigen. Die Schauspieler versammeln sich auf der Bühne. Zuerst REBECCA. Dann JARVIS und dann HANNAH. Alle ignorieren GUY. JARVIS hat irgendwo Stiefel gefunden. Er ist damit beschäftigt, sie anzuziehen. REBECCA summt falsch vor sich hin. BRIDGET tritt auf, wartet. MR. AMES folgt ihr. ) )
BRIDGET: Er kommt sofort. Er spricht mit Ian. ( Das Schweigen bleibt. TED und ENID treten auf. Sie sind die einzigen, die das Glück haben, die gespannte Stimmung nicht zu spüren. )
ENID: ( während sie auftritt, laut ) Oh ja, sie sind alle ... Oh! ( merkt, dass alle schweigen, sagt leise zu TED ) Sie sind alle hier ... ( Pause ) ( flüstert ) Ich glaube, wir warten auf Dafydd.
TED: ( flüstert ) Ja.
ENID: ( zeigt auf TEDs Halstuch ) Ist dein Tuch in Ordnung? Soll ich es dir noch mal binden?
TED: Nein, es ist gut so. Sehr gut. ( Pause )
ENID: Die Schuhe drücken ein bisschen.
TED: Oh je!
ENID: Eigentlich sollte ich ja Stiefel tragen, aber jemand hat sie geklaut ...
ENID: Oh je! ( LINDA tritt auf. ) Oh, das ist besser, Linda. Das ist viel besser. ( zu TED ) Sie hat das Band abgenommen. Das ist besser.
TED: Viel besser. ( DAFYDD tritt auf, ist wie vor den Kopf geschlagen. )
DAFYDD: Tut mir leid, ich muss mich bei euch entschuldigen, aber ... ( er verliert den Faden, ist mit den Gedanken woanders ) Schön. Entschuldigung. Dann wollen wir mal. Eigentlich ist das ein technischer Durchlauf für die Bühnenarbeiter, die Beleuchtung und so. Aber trotzdem, eh, unterbrecht ruhig, wenn das ... also, wenn was ist. Wirklich. So. Ja. Also. Los dann. Toi, toi, toi. ( Alle gehen in verschiedene Richtungen. GUY als einer der letzten, er hat seine Perücke aufgesetzt. )
BRIDGET: ( schreit im Gehen ) Erster Akt. Anfang! Alle auf die Bühne! ( DAFYDD und GUY sind allein auf der Bühne. )
DAFYDD: ( leise zu GUY, als sie aneinander vorbeikommen ) Ian hat mir gerade alles erzählt, du Schweinehund! Von dir und Hannah. Ich will dir nur sagen, dass ich dich für den größten und gemeinsten Schweinehund halte, den ich kenne. Und ich bete zum Himmel, dass du über kurz oder lang bekommst, was du verdienst. Okay? Soviel dazu. Und jetzt drücke ich dir die Aufführung. ( er macht sich auf den Weg zur Beleuchtungsbrücke und dreht sich noch einmal um ) Ich hoffe, du schaffst es – Toi, toi, toi. ( während er hochsteigt ) Los, Raymond. Die Anfangseinstellung ... los! Licht und Musik.
Die Premiere
GUY ist allein auf der Bühne. Lichtstimmung der Gefängnisszene. Musik setzt ein. Während GUY spricht, treten HANNAH als Polly und LINDA als Lucy auf, und nach und nach sind wir mitten in der Premiere, kurz vor dem Ende des dritten Aktes, 15. Szene.
GUY: ( als Macheath ) Meine liebe Lucy. Meine liebe Polly. Was auch immer zwischen uns gewesen ist, nun ist es zu Ende. Der beste Rat, den ich euch geben kann, falls ihr beide gern wieder heiraten würdet: Schifft euch nach Westindien ein. Dort habt ihr eine wirkliche Chance, einen Mann zu finden, der euch allein gehört; mit etwas Glück sogar zwei oder drei zur Auswahl.
HANNAH: ( als Polly ) Wie soll ich diesen Anblick ertragen!
LINDA: ( als Lucy ) Nichts kann einen so bewegen wie ein großer Mann in Not. ( singt als Lucy ) Oh würd ich gehängt!
HANNAH: ( singt als Polly ) Wie wünscht es mir so!
LINDA: ( singt als Lucy ) Gehängt, Geliebter.
HANNAH: ( singt als Polly ) Mein Lieb, mit dir.
GUY: ( singt als Macheath ) Mein Denken versagt, Angst trübt den Sinn! Ich zittre, ich falle, mein Mut ist dahin.
HANNAH: ( singt als Polly ) Kein Zeichen der Liebe?
GUY: ( singt als Macheath ) Seht, mein Mut ist dahin.
LINDA: ( singt als Lucy ) Kein Zeichen der Liebe?
HANNAH: ( singt als Polly ) Adieu.
LINDA: ( singt als Lucy ) Lebwohl.
GUY: ( singt als Macheath ) Doch horch! Ich höre die Glocke rufen!
( ( Während des letzten Liedes wechselt die Szene nach Tyborn. Ein Galgen ist errichtet worden. Die Plattform ist dieselbe, die zu Beginn des Stückes als Mittelpunkt auf der Bühne stand, nur ist der Galgen jetzt komplett. Ein vermummter Henker wartet dort – DAFYDD –, bis die Musik endet. JARVIS tritt als Kerkermeister auf. ) )
JARVIS: ( als Kerkermeister ) Noch vier Frauen, Captain, jede mit einem Kind. Seht her, da kommen sie! ( Er gestikuliert. REBECCA, BRIDGET, FAY und ENID kommen mit Baby-Attrappen und imitiertem Babygeschrei. )
GUY: ( als Macheath ) Was – noch vier Frauen! Das ist zuviel. Bitte, sagt den Offizieren des Sheriffs, ich sei bereit.
( ( Ein langer Trommelwirbel. Die Frauen schleudern ihre Babies weg, und mit einem Zischeln der Vorfreude gruppiert sich das gesamte Ensemble rund um die Plattform mit dem Galgen. GUY, flankiert von zwei Wächtern CRISPIN und einem Bühnenarbeiter, nähert sich. Er steigt hinauf. Der Henker bereitet die Schlinge vor, um sie um GUYs Hals zu legen. Das Gezischel der Menge und das Schlagen der Trommeln schwillt an. GUY wirft einen letzten Blick in die Runde, auf den Henker, auf den Strick und am Schluss auf die ganze Gesellschaft, deren Kreis sich nun geschlossen hat. Ein Anflug von Besorgnis geht über sein Gesicht, als er ihre lüsternen Gesichter sieht. Plötzlich nähert sich TED, als Spieler, von außerhalb des Kreises. ) )
TED: ( als Spieler, mit einem Schrei ) Wartet! ( Absolute Stille. Alle auf der Bühne, mit Ausnahme von GUY, erstarren. GUY schaut sich langsam nach ihm um. Nach einer Weile lösen sich TED und MR. AMES aus ihrer Erstarrung. ) ( als Spieler, zu MR. AMES ) Teurer Freund, ich hoffe, Ihr meint doch nicht, dass dieser Macheath wirklich exekutiert werden soll.
AMES: ( als Bettler, am Klavier ) Aber gewiss, Sir. Um das Stück perfekt zu machen, bin ich für exakte poetische Gerechtigkeit. Macheath muss gehängt werden. Und das Publikum muss den Eindruck haben, dass die anderen Personen des Dramas entweder alle gehängt oder deportiert werden.
TED: ( als Spieler ) Aber dann, mein Freund, wird das Ganze zu einer dunklen Tragödie. Ein tragisches Ende wäre ganz sicher falsch, eine Oper braucht ein Happyend. Wir haben uns nach dem Geschmack des Publikums zu richten.
AMES: ( als Bettler ) Euer Einwand besteht zu recht, Sir; darum werden wir Abhilfe schaffen. Aber Ihr müsst zugeben, dass es in dieser Art Drama keine Rolle spielt, wenn sich die Dinge zum Absurden hin entwickeln. Also ... ( Er schnipst mit den Fingern und gestikuliert wie ein Zauberer. IAN stürmt in seinem Münz-Mathias-Kostüm auf die Bühne und schwingt ein offizielles Dokument. )
IAN: Eine Begnadigung! Eine Begnadigung für Macheath!
ALLE: ( in ehrfürchtigem Gemurmel ) Eine Begnadigung! ( IAN gibt das Dokument dem Henker, der es liest. )
DAFYDD: ( als Henker ) Eine Begnadigung!
ALLE: Eine Begnadigung für Macheath! ( Großer Beifall. Der Strick wird entfernt; alles drängt sich, um den Gefangenen zu gratulieren. Der Henker lüftet seine Kapuze und entpuppt sich als DAFYDD. Er umarmt GUY. Eine der Huren bringt Bier für beide. )
GUY: ( als Macheath, bittet mit einer Gebärde der Hand um Ruhe ) Wie es scheint, bleibt mir keine andere Wahl, als zu guter Letzt noch ein Weib zu nehmen. Hört zu, meine Lieben, wir wollen uns jetzt nicht streiten. Wir wollen diesen Tag dem Frohsinn weihen, und ich bin sicher, diejenige, die glaubt, mein Eheweib zu sein, wird dies durch einen Freudentanz beweisen.
ALLE: Komm, ein Tanz, ein Tanz.
GUY: ( singt als Macheath ) Komm mir vor wie ein Türk, den sein Harem umgibt: Er weiß selbst nicht genau, wen er eigentlich liebt. Für Blond, Braun und Schwarz glüht sein unsteter Sinn, und zu dieser, zu jener zieht's wechselnd ihn hin. Jede zeigt sich charmant, dass ihr Reiz ihn bestrickt er, allen geneigt, nur die eine beglückt. Doch denkt meines Wahlspruchs und lasst eure Sorgen: Wer unglücklich heut, macht sein Glück vielleicht morgen!
( ( Jetzt geht das Stück genau wie die Bettleroper zu Ende, glücklich und triumphierend – vielleicht auch ein bisschen zynisch. Die Schauspieler nehmen den Applaus entgegen. Wenn der Vorhang sich das letzte Mal schließt, umarmen sie einander, ganz besonders den Helden des Abends, GUY. Erleichtert und erschöpft gehen sie in ihre Garderoben. ) )